Die Proteste von Beschäftigten in Bangladesch haben den Betrieb in Hunderten Textilfabriken gestört. Wie Al Jazeera berichtete, richtet sich der Unmut gegen niedrige Löhne und die steigenden Lebenshaltungskosten in den Industriegebieten des Landes. Der Sektor ist der größte Exportzweig Bangladeschs.
Im Industriegebiet Mirpur in Dhaka war eine starke Polizeipräsenz zu sehen. Der Al-Jazeera-Korrespondent Tanvir Chowdhury meldete aus der Hauptstadt außerdem Proteste am dritten Tag in den Gebieten Savar, Ashulia und Gazipur.
Seit Beginn der Proteste wurden etwa 500 Fabriken vorübergehend geschlossen. Tausende Beschäftigte sind auf die Straße gegangen, wo sie sich mit Tränengas und Schallgranaten der Polizei konfrontiert sahen.
Um die Demonstrationen einzudämmen, hat die Regierung am Sonntag einen neuen Lohnausschuss gebildet, der den Mindestlohn für Textilbeschäftigte überprüfen soll. Premierminister Tarique Rahman berief zugleich eine Dringlichkeitssitzung mit seinen Ministern und Beratern ein.
Die Beschäftigten fordern einen monatlichen Mindestlohn von 30.000 Taka, umgerechnet 242 Dollar. Das ist mehr als das Doppelte des derzeitigen Lohns von 12.500 Taka, also 101 Dollar.
Die Branche ist laut Angaben etwa 38 Milliarden Dollar wert und eine wichtige Quelle für Exporterlöse und Beschäftigung. Chowdhury erklärte, die Löhne reichten wegen der steigenden Lebenshaltungskosten nicht aus.
Die Textilbranche Bangladeschs konkurriert mit Vietnam, Kambodscha und Indien. Fabrikbesitzer sagten, die Branche habe mit höheren Kosten zu kämpfen, mit Unsicherheit auf dem Energiemarkt während des Kriegs der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran sowie mit schwächerer Nachfrage in einigen Exportbereichen.
Babul Akhter, Generalsekretär der Bangladesh Garment and Industrial Workers Federation und Vertreter der Beschäftigten im Lohnausschuss, sagte, Bangladesch habe weltweit einige der niedrigsten Textillöhne. Wenn Fabrikbesitzer ihre Beschäftigten nicht angemessen bezahlen könnten, sollten sie mit internationalen Käufern bessere Preise aushandeln. Ein Geschäft lasse sich nicht auf dem Rücken unterbezahlter Arbeitskräfte aufbauen.
Mahmud Hasan Khan, Präsident der Bangladesh Garment Manufacturers and Exporters Association, erklärte, die Regierung habe mit der Bildung des Lohnausschusses bereits einen Schritt unternommen. Er erwarte, dass die Beschäftigten den Überprüfungsprozess zulassen.
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