Ramallah – Palästinenser aus den Flüchtlingslagern Tulkarem, Nur Schams und Dschenin hoffen trotz weitreichender Zerstörungen auf die Rückkehr in ihre Häuser. Israelische Truppen hatten die drei Lager im Januar und Februar 2025 vollständig räumen lassen und verhindern nach Angaben der Vereinten Nationen weiterhin die Rückkehr. Das berichtete Al Jazeera.
Nach Angaben eines UNRWA-Berichts sind 33.362 Menschen aus den Lagern vertrieben. Bis Oktober 2025 waren demnach 52 Prozent der Gebäude im Lager Dschenin, 48 Prozent in Nur Schams und 36 Prozent in Tulkarem zerstört oder beschädigt. Betroffen seien auch Straßen, Wasser- und Stromnetze. Humanitäre Hilfe für die Lager sei abgeschnitten worden.
Während des in dem Bericht erfassten Zeitraums seien durch israelische Truppen 102 Palästinenser getötet worden, darunter 21 Kinder. Das entspreche 46 Prozent aller Palästinenser, die in diesem Zeitraum im Westjordanland von israelischen Truppen getötet worden seien.
Der israelische Oberste Gerichtshof verpflichtete die Regierung, einen Zeitplan für die Rückkehr der Vertriebenen vorzulegen. Als Frist setzte das Gericht den 23. November. Finanzminister Bezalel Smotrich wies die Entscheidung zurück. Eine Rückkehr könne nach seiner Darstellung den Wiederaufbau dessen ermöglichen, was er als „Terrorinfrastruktur“ bezeichnet habe. Verteidigungsminister Israel Katz lehnte das Eingreifen des Gerichts ebenfalls ab und erklärte, die fortgesetzte Präsenz der Armee in den Lagern sei eine Sicherheitsentscheidung. Er wolle die militärische Präsenz aufrechterhalten.
Fuad, 42, lebte mit seiner Frau, vier Kindern, seiner Mutter und weiteren Angehörigen in einem Gebäude mit vier Wohnungen im Lager Tulkarem. Nach seiner Flucht bezog die Familie eine weniger als 100 Quadratmeter große Mietwohnung im Vorort Thinnabeh. Sein früheres Zuhause sei teilweise zerstört worden.
Fuad sagte dem Sender, die israelischen Soldaten hätten das Gebäude teilweise abgerissen und in Brand gesetzt. Mehr als 80 Prozent des Wohnblocks seien dadurch unbewohnbar geworden. Er wolle die Trümmer für den Wiederaufbau verwenden und auch dann zurückkehren, wenn er zunächst in einem Zelt über den Ruinen leben müsse.
Der Vorort, von dem aus Fuad das Lager sehen kann, gebe ihm nach seinen Angaben Halt. Er könne sein Haus zwar nicht erreichen, aber aus der Ferne betrachten. Bei einer sofortigen Erlaubnis würde er ohne Zögern zurückkehren, sagte er.
Auch der 18-jährige Mohamad aus dem Flüchtlingslager Dschenin floh mit seiner Familie. Das fünfstöckige Gebäude, in dem rund 40 Angehörige gelebt hätten, sei vollständig zerstört worden. An seiner Stelle verlaufe nun eine breite Straße, sagte Mohamad dem Sender. Seine Eltern, fünf Schwestern und er hätten zunächst in der unfertigen Wohnung seines Bruders Zuflucht gesucht. Dort hätten sie Kälte und Hitze ertragen und die Wohnung nach und nach bewohnbar gemacht.
Nihad Shawish vom Komitee für die Volksdienste im Lager Nur Schams sagte dem Sender, etwa 400 meist drei- bis vierstöckige Häuser seien zerstört worden. Rund 100 weitere Häuser seien während der Anwesenheit der israelischen Armee niedergebrannt. Auch beschädigte Gebäude seien vielfach nicht bewohnbar, weil Türen, Fenster und Innenräume betroffen seien. Der Einsturz einzelner Häuser habe zudem benachbarte Gebäude beschädigt.
Nach Shawishs Angaben sind rund 10.900 Bewohner des Lagers weiterhin vertrieben. Einige Familien lebten in privaten Häusern, andere in einer Schule im Vorort Thinnabeh.
Faisal Salameh vom Volkskomitee des Lagers Tulkarem sagte dem Sender, mehr als 2.000 Wohneinheiten seien vollständig zerstört worden. Rund 90 Prozent der Häuser hätten teilweise Schäden erlitten und seien dadurch unbewohnbar. Das Lager habe rund 15.000 Menschen beherbergt. Die meisten Vertriebenen lebten derzeit in Mietwohnungen oder bei Angehörigen, andere in Schulen, Moscheen oder notdürftigen Unterkünften aus Blech.
Die Missachtung gerichtlicher Entscheidungen beeinträchtige die Fähigkeit der Justiz, die Regierung zum Handeln zu zwingen, wenn Urteile der politischen Führung widersprächen. Frühere Fälle ließen nach seiner Einschätzung eine Umsetzung des Urteils zu den Lagern unwahrscheinlich erscheinen.
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