Die albanische Polizei hat in der Hauptstadt Tirana Tränengas und Wasserwerfer gegen mehrere hundert Studierende eingesetzt. Die Demonstrierenden warfen Steine und Betonblöcke auf das Bildungsministerium und forderten den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama, berichtete Al Jazeera.
Die Organisatoren protestierten nach eigenen Angaben gegen die Zustände an den Hochschulen, hohe Kosten für die höhere Bildung, fehlende finanzielle Unterstützung und mangelnde Berufsaussichten nach dem Abschluss. Zudem wollten die Studierenden ihre Frustration über soziale Ungleichheit und die Wirtschaftspolitik der Regierung ausdrücken.
Nach Angaben der Polizei seien sechs Beamte und eine Journalistin verletzt worden. 23 Menschen seien festgenommen worden. Die Polizei habe die Demonstrierenden aufgefordert, den Angriff auf das Ministerium zu beenden. Einige Teilnehmer hätten Beamte jedoch weiter mit Molotowcocktails, Knallkörpern, Steinen und anderen harten Gegenständen angegriffen.
Die Demonstrantin Luljeta Kola sagte, Albanien brauche eine Revolution, einen Wandel und eine vollständige Umgestaltung des Systems. Es gebe eine tiefe soziale Kluft zwischen reichen und armen Menschen im Land, fügte sie hinzu.
Vize-Ministerpräsidentin Albana Kociu erklärte auf Facebook, Gewalt sei keine Lösung und werde dies auch künftig nicht sein. Steine zu werfen, staatliche Einrichtungen und die Polizei anzugreifen sowie öffentliches Eigentum zu zerstören, sei keine angemessene Form, wie junge Menschen ihre Anliegen ausdrücken sollten.
In Tirana gibt es seit Mai eine Reihe von Protesten gegen die Regierung. Auslöser war ein luxuriöses Tourismusprojekt, das mit der Familie des US-Präsidenten Donald Trump in Verbindung steht. Das Projekt habe wegen Vorwürfen der Korruption und mangelnder Transparenz für Empörung gesorgt, berichtete Al Jazeera. Die Demonstrierenden fordern auch deshalb Ramas Rücktritt.
Studierende sagten lokalen Medien, die Kundgebung habe zusätzlich auf die Bedingungen an den Universitäten, Studiengebühren und die fehlende Unterstützung für junge Menschen aufmerksam machen sollen. Ein Organisator schrieb auf Instagram, Probleme würden nicht gelöst, indem man so tue, als existierten sie nicht. Die Studierenden hätten Fragen, Forderungen und viele Gründe, gehört zu werden.
Kommentare (0)