In Regionen mit hoher AfD-Zustimmung schreitet die Verbreitung von E-Autos und Solaranlagen langsamer voran als in besonders grünen Regionen. Seine Untersuchung umfasst mehr als 10.700 Gemeinden und den Zeitraum von 2013 bis 2023.
Wussow zufolge hätten in Deutschland ohne den Aufstieg der AfD etwa 10.000 bis 20.000 Solaranlagen zusätzlich installiert werden können. Das entspräche bis zu einem Prozent mehr als dem Bestand von 2023. Bei E-Autos errechnete die Simulation einen möglichen Unterschied von 40.000 bis 50.000 Fahrzeugen oder bis zu drei Prozent. Die großen Wahlerfolge der AfD hätten allerdings erst nach dem untersuchten Zeitraum eingesetzt.
Für die Untersuchung befragten Wussow und sein Team repräsentativ Menschen danach, welche Partei sie 2021 gewählt hätten und ob sie Interesse an einem E-Auto oder einer Solaranlage hätten beziehungsweise bereits eine solche Anschaffung getätigt hätten. Zusätzlich verglichen sie die Entwicklung der Autoregistrierungen und der registrierten Solaranlagen in den Gemeinden mit den Stimmenanteilen der Parteien.
Unterstützer der AfD hätten deutlich weniger Interesse an den beiden Technologien als Anhänger der Grünen. Bei E-Autos sei das Interesse der Grünen-Wähler mehr als dreimal so hoch, bei Solaranlagen liege der Unterschied bei etwa 50 Prozent. Einkommen, Alter, Geschlecht und Wohnsituation beeinflussten die Anschaffungsentscheidung ebenfalls. Auch nach Berücksichtigung dieser Faktoren bleibe der Unterschied zwischen AfD- und Grünen-Anhängern deutlich.
Das höchste Interesse an E-Autos und Solaranlagen hätten laut Wussow teilweise Anhänger der FDP. AfD- und BSW-Anhänger wiesen geringe Raten auf, CDU, SPD und Linke lägen dazwischen. Über alle politischen Orientierungen hinweg nähmen die Verbreitung von Solaranlagen und E-Autos jedoch zu. Aus den Gemeindedaten gehe nicht hervor, welche Wählergruppen für die Anschaffungen verantwortlich seien, da in AfD-Hochburgen häufig auch andere Parteien Mehrheiten hätten.
Für die Frage nach möglichen Ursachen untersuchte das Team unter anderem die Rückkehr des Wolfs. In Gemeinden, die von Wolfsattacken auf Schafe betroffen gewesen seien, seien in den Folgejahren weniger Elektroautos und Solaranlagen angeschafft worden. Wussow betonte jedoch, dieser Zusammenhang sei wegen der ländlichen Prägung und der großen Waldflächen in den betroffenen Gemeinden kein robuster Nachweis für eine Ursache, sondern ein Indiz.
Nach Angaben des Studienautors schätzten Grünen-Anhänger Solaranlagen häufiger als rentabel ein. AfD-Anhänger hielten zudem häufiger die Einschätzung für richtig, E-Autos könnten bei einem Unfall explodieren. Wussow sieht deshalb gerade in AfD-Hochburgen weiteres Potenzial für saubere Technologien. Händler und Installateure sollten diese Regionen seiner Ansicht nach nicht meiden, sondern mit ökonomischen Argumenten ansprechen.
Auch Erfahrungen aus der Nachbarschaft könnten die Verbreitung fördern. Menschen tauschten sich darüber aus, was andere für das Tanken bezahlten, sagte Wussow. Bei Solaranlagen gebe es eine verstärkende Wirkung: Im Umfeld einer Person mit eigener Anlage schafften sich viele andere ebenfalls eine an.
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