Die Behörden im mexikanischen Bundesstaat Yucatán haben sechs künstliche Seen in Mérida wegen des Nachweises der Amöbe Naegleria fowleri schließen lassen. In den Gewässern seien Freizeit- und Sportaktivitäten ausgesetzt worden, berichtete EL PAÍS América. Die Parks, in denen die Seen liegen, blieben geöffnet.
Betroffen sind der See an der Plaza La Isla, der östliche und der Hauptsee des Komplexes Cabo Norte, der See des Zoológico del Centenario, der See im Gran Parque La Plancha sowie der See im Parque Ecológico del Poniente. Die Gewässer liegen an verschiedenen Stellen der Stadt. Absperrungen und Warnhinweise untersagten den Kontakt mit dem Wasser.
Die Betreiber hätten gemeinsam mit Fachleuten der Universidad Autónoma de Yucatán und des Cinvestav mit der Sanierung begonnen, teilte die Regierung von Yucatán mit. Insgesamt untersuchten die Behörden neun Seen; in sechs davon stellten sie die Amöbe fest.
Auslöser der Untersuchungen war der Tod eines 33 Jahre alten Wasserski- und Wakeboardlehrers. Er habe in dem See an der Plaza La Isla gearbeitet und sei die erste und bislang einzige Person in Yucatán gewesen, die an einer durch Naegleria fowleri verursachten primären amöbischen Meningitis gestorben sei. Der Mann habe bei seiner Arbeit im Wasser gestanden oder sich darin befunden.
Freunde und Angehörige machten in sozialen Netzwerken das Unternehmen Fornelos Wake Yucatán, den Arbeitgeber des Mannes, für den Tod verantwortlich. Eine Bekannte habe auf Facebook erklärt, die medizinischen Untersuchungen des Opfers und die Wasserproben seien positiv auf die Amöbe getestet worden. Das Unternehmen bietet laut dem Bericht Wakeboardfahrten auf dem künstlichen See an.
Naegleria fowleri lebt in warmem, stehendem Süßwasser. Die Amöbe kann eine primäre amöbische Meningitis auslösen, wenn Wasser mit Druck durch die Nase eindringt, etwa beim Untertauchen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sowie eine Ansteckung durch das Trinken von Wasser oder durch Spritzer finde nicht statt, betonte die Regierung von Yucatán.
Die Erkrankung verlaufe akut und könne innerhalb von weniger als zwei Wochen nach dem ersten Kontakt zum Tod führen. Zu den Symptomen zählen Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit, Müdigkeit und Erbrechen. Nach Angaben der Behörden ist die Infektion sehr selten; weltweit seien etwa 400 Fälle registriert worden. Die Sterblichkeit liege je nach Angabe bei 97 bis 98 Prozent.
Nach dem Tod im vergangenen September überwachten die Behörden 361 Menschen, die im See an der Plaza La Isla gewesen waren. Diese Überwachung endete am 4. Oktober ohne einen weiteren registrierten Infektionsfall. Die Gesundheitsbehörden kontrollieren weiterhin die Wasserqualität der künstlichen Seen und rufen Menschen mit Kontakt zu dem Wasser auf, bei Fieber, starken Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Nackensteifigkeit eine medizinische Einrichtung aufzusuchen.
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