Eine bislang unbekannte Gruppe namens „Schwarzrussen“ übernahm die Verantwortung und kündigte weitere Sabotageakte an, wie n-tv berichtet.
Am 6. Lettische Soldaten hätten dies unterbunden, erklärte der lettische Innenminister Jānis Dombrava. Mehrere Stunden später seien drei Maskierte auf lettisches Territorium vorgedrungen. Sie hätten einen Verteilerschrank beschädigt und Überwachungskameras gestohlen, bevor eine Einheit des lettischen Grenzschutzes eingetroffen sei.
Einen Tag nach dem Vorfall erschien auf Telegram ein Video, in dem die „Schwarzrussen“ die Verantwortung übernahmen. Ein maskierter Sprecher habe mit verfremdeter Stimme weitere Aktionen an Nachbargrenzen von Belarus angekündigt und die Europäische Union sowie die Nato als instabil bezeichnet.
Journalisten des lettischen Mediums LSM entdeckten das Video erst fünf Tage später.
Ein auf Telegram und der Website veröffentlichtes Manifest fordere, Russen, Belarussen und Ukrainer in einem gemeinsamen Staat zu vereinen.
Die meisten Beiträge wirkten nach Einschätzung von „Important Stories“ wie mit künstlicher Intelligenz erstellte Propaganda von geringer Qualität.
Die Website sei mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt worden. Im Quellcode hätten sich auf Ukrainisch verfasste Befehlstexte gefunden.
Der Osteuropa-Experte Alexander Friedman hält eine ukrainische Urheberschaft für wenig wahrscheinlich. Für Kiew wäre eine solche Operation zu riskant, sagte Friedman gegenüber ntv.de. Wahrscheinlicher seien aus seiner Sicht belarussische oder russische Geheimdienste. Ob die Gruppe tatsächlich existiere oder nur vorgeschoben werde, sei offen.
Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko äußerte sich erst eine Woche nach dem Vorfall. Mit ihm seien solche Aktionen nicht abgestimmt worden; deshalb hätten sie auch nicht stattgefunden.
Nach lettischen Angaben ereignete sich der Vorfall jedoch. Friedman hält deshalb sowohl eine Beteiligung belarussischer Dienste als auch eine Abstimmung mit Russland für möglich. Solche historischen Anspielungen seien eher für den Kreml als für die belarussische Regierung typisch, sagte Friedman.
Der belarussische Militärjournalist Dzmitry Halko, der im polnischen Exil lebt, sieht ebenfalls Russland hinter der Aktion. Er verglich die Maskierten mit den russischen verdeckten Einheiten ohne Hoheitsabzeichen, die 2014 bei der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim eingesetzt worden seien.
Friedman ordnet den Vorfall in ein Szenario ein, vor dem westliche Nachrichtendienste seit Langem warnten: Russland könne mit begrenzten Provokationen und gezielten Grenzverletzungen die Reaktion der Nato testen. BND-Chef Martin Jäger sprach erst vergangene Woche von einem Schattenkrieg Russlands mit Europa.
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