Ein Schuss löste sich jedoch nicht. Zwei Vermummte hatten zuvor die Bewacher überwältigt und Gündüz die Flucht ermöglicht, wie die WELT berichtet.
Nach Informationen der Bild habe einer der Beamten den Abzug betätigt, um die Helfer des Häftlings aufzuhalten.
Caroline-Ann Schlösser, Sprecherin der Landesjustizvollzugsdirektion, sagte der Bild, die Waffen der Beamten seien im Regelfall teilgeladen und gesichert. Das Magazin befinde sich in der Waffe, eine Patrone jedoch nicht im Lauf. Die Waffe müsse entsichert und durchgeladen werden, damit eine Patrone in den Lauf gelange.
Die Anhörungen der beiden Justizbeamten seien noch nicht abgeschlossen. Die Polizei untersuche die Dienstwaffe.
Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Justizministeriums waren die Sicherheitsmaßnahmen für den bereits länger geplanten Arztbesuch zuvor geprüft worden. Dabei sei unter anderem festgelegt worden, welche Sicherungsvorkehrungen erforderlich seien und welche Waffen die Beamten mitführen sollten. Schlösser sagte, vor jedem solchen Termin werde eine Gefährdungsanalyse vorgenommen. Die Sicherheitslage werde geprüft, die Vorkehrungen würden jeweils angepasst.
Gündüz sei am Abend vor dem Termin davon erfahren. Wie seine mutmaßlichen Helfer von dem Besuch erfahren hätten, sei Gegenstand der Ermittlungen.
Gündüz soll mit einem E-Scooter geflüchtet sein. Nach zwei noch nicht rechtskräftigen Urteilen war er im Frühjahr wegen Drogendelikten zu zwölfeinhalb Jahren und wegen gefährlicher Körperverletzung zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Hinweise nimmt die Polizei über den Notruf 110 oder unter 0201/829-5149 entgegen.
In der Nähe des Tatorts entdeckte ein Zeuge kurz nach dem Angriff einen Gegenstand, der wie eine Handgranate aussah. Die Experten stellten fest, dass es sich um eine Holzattrappe handelte. Ob sie mit der Gefangenenbefreiung in Zusammenhang stehe, sei nach Angaben der Polizei Gegenstand der Ermittlungen.
Nach dpa-Informationen ordnen die Behörden Gündüz dem Bereich der Clankriminalität zu. In Nordrhein-Westfalen stammten die Täter meist aus türkisch-arabischstämmigen Großfamilien. Kritiker sehen in dem Begriff eine Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit Migrationshintergrund aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft.
Die Polizei Essen warnte in sozialen Medien, der Flüchtige könne bewaffnet sein. Unter dieser Antwort standen inzwischen mehr als 1600 weitere Antworten.
Es gilt die Unschuldsvermutung.
Kommentare (0)