Vietnam und vier europäische Staaten außerhalb der Europäischen Union haben am Sonntag (18. Oktober) in Hanoi ein Freihandelsabkommen unterzeichnet. Wie CNA Asia berichtet, wollen beide Seiten damit ihre Märkte breiter aufstellen, während Zölle der Vereinigten Staaten den globalen Handel stören.
Das Abkommen besteht zwischen Vietnam, der nach Angaben des Berichts am schnellsten wachsenden Volkswirtschaft Südostasiens, und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA). Dieser gehören Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz an. Es hebt Zölle auf oder senkt sie, unter anderem auf Einfuhren von Industrie-, Fisch- und Agrarprodukten. Unterzeichnet wurde es in der Hauptstadt in Anwesenheit des vietnamesischen Spitzenpolitikers To Lam und von Vertretern der EFTA-Regierungen.
Die vietnamesische Regierung erklärte in einer Mitteilung, das Abkommen zeige den Willen beider Seiten, das regelbasierte Handelssystem trotz anhaltender Volatilität in der Weltwirtschaft zu stärken. Außerdem solle es Vietnam helfen, seine Import- und Exportmärkte zu diversifizieren und stärker in globale Wertschöpfungsketten eingebunden zu werden.
Vietnam und die EFTA hatten die Verhandlungen im Juli abgeschlossen. Gespräche über ein Freihandelsabkommen waren bereits 2012 offiziell begonnen worden. Nach einer Stagnation seit 2018 hatten die Parteien die Verhandlungen im vergangenen Jahr im September wieder aufgenommen.
Experten sehen in dem Abkommen eine gemeinsame Initiative, um Handelsbeziehungen zu diversifizieren und die Abhängigkeit von großen Handelspartnern zu verringern. Der Historiker und Politikwissenschaftler Do Dinh Lam Khang sagte der Nachrichtenagentur AFP, der zunehmende Handelsdruck der USA auf europäische Länder mache die Vereinbarung zu einem gemeinsamen Schritt hin zu mehr strategischer Autonomie. Für Vietnam könne die engere Anbindung an die EFTA-Volkswirtschaften zudem den Ehrgeiz unterstützen, in höherwertige Wirtschaftstätigkeiten vorzudringen.
Das Abkommen umfasst nach Angaben beider Seiten unter anderem den Handel mit Waren und Dienstleistungen, geistige Eigentumsrechte, Handelsschutzinstrumente und nachhaltige Entwicklung. Der bilaterale Handel zwischen der EFTA und Vietnam hatte im vergangenen Jahr einen Wert von 4,8 Milliarden Euro (5,4 Milliarden US-Dollar), so die Assoziation.
Die wichtigsten Exporte der EFTA-Staaten nach Vietnam waren im vergangenen Jahr elektrische und mechanische Maschinen, Fisch und pharmazeutische Produkte. Vietnam exportierte vor allem Maschinen, Schuhe und Bekleidung in die EFTA-Staaten.
Die EFTA wurde als Gegenstück zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gegründet, einer Vorläuferin der Europäischen Union. Ihre vier Mitgliedstaaten stehen der EU nahe, sind ihr aber nicht beigetreten.
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