Im Gazastreifen steigen die Preise für Grundnahrungsmittel täglich, wie der Sender Al Jazeera berichtet. Die israelischen Einfuhrbeschränkungen für kommerzielle Waren gelten inzwischen seit fünf aufeinanderfolgenden Tagen.
Familien, die ohnehin unter der Belagerung leiden, kaufen Vorräte auf, solange sie noch etwas finden. Sie fürchten knappe Versorgung und weitere Preissteigerungen. Mehl, Eier, Zwiebeln und andere Grundnahrungsmittel sind seit der Ankündigung Israels, keine kommerziellen Waren mehr passieren zu lassen, deutlich teurer geworden. Hintergrund ist ein Streit über Gebühren, an dem palästinensische Händler und die Hamas beteiligt sind. Die Hamas verfügt im Gazastreifen noch über gewisse Befugnisse.
Hunderttausende Palästinenser im Gazastreifen sind seit Beginn des israelischen Kriegs im Oktober 2023 in Armut gestürzt. Die Preise für Grundgüter sind gestiegen, während die Einkommen wegen des Krieges und der verschärften Belagerung gesunken sind. Laut dem UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) lagen die Lebensmittelpreise im Gazastreifen im September 2026 im Durchschnitt 204 Prozent über dem Niveau vor Oktober 2023.
Ismail A., 52, aus Jabalia im Norden des Gazastreifens, stellte binnen zwei oder drei Tagen nach der Schließung der Grenzübergänge einen deutlichen Preisanstieg fest. Ein Karton Eier, der zuvor 35 Schekel (11,34 Dollar) gekostet habe, werde nun für 60 bis 70 Schekel (18 bis 21 Dollar) verkauft. Ein Kilogramm Zwiebeln sei von fünf oder sechs Schekel auf acht bis zehn Schekel (2,40 bis 3 Dollar) gestiegen. Avocados hätten sich von sieben oder acht Schekel auf etwa 15 Schekel (4,50 Dollar) verteuert.
Ismail A. kaufe deshalb nur noch kleinere Mengen. Statt eines vollen Kartons mit 30 Eiern nehme er oft nur vier oder fünf. Er kritisierte die Händler, die die Preise erhöhten, sobald sie hörten, dass die Übergänge geschlossen bleiben könnten. Dadurch verschärfe sich das Problem realer Engpässe.
Ismail A. versorgt nach eigenen Angaben seine Großfamilie mit elf oder zwölf Personen, darunter verheiratete Töchter mit ihren Kindern. Vorratshaltung habe jedoch Grenzen. Frisches Gemüse verderbe innerhalb weniger Tage, und die unzuverlässige Stromversorgung erschwere die Lagerung von Fleisch. Viele Familien hätten zudem kein Geld übrig, um vorzusorgen.
Iman A., 50, eine vertriebene Frau aus Beit Lahiya im Norden des Gazastreifens, sagte, die Aussetzung der Lebensmittellieferungen erinnere sie an die von Menschen verursachte Hungersnot, die die Enklave 2025 getroffen habe. Ein Sack Mehl habe vor der Schließung zwischen 25 und 35 Schekel (7,50 bis 10,50 Dollar) gekostet, nun etwa 80 Schekel (24 Dollar). Das Mehl aus Hilfslieferungen reiche weniger als einen Monat. Früher hätte ihre Familie mehr gegessen und Eier für die Kinder kaufen können. Nun lebe sie mit Reis und Linsen und könne sich nur wenig Brot leisten. Manchmal werde das Frühstück oder das Abendessen ausgelassen, das Mittagessen sei die Hauptmahlzeit.
Das Regierungsmedienbüro in Gaza wies Israels Begründung für die Aussetzung zurück. Es bestritt, dass die Behörden im Gazastreifen Steuern oder staatliche Gebühren auf Lkw mit kommerziellen Gütern erhoben hätten. Die von Israel genannten 10.000 Schekel (3.242 Dollar) seien mit einem freiwilligen Gemeinschaftsfonds für verletzliche Familien und Projekte zur finanziellen Hilfe verknüpft. Eine Regelung mit einem Satz von 30 Prozent für Barzahlungen sei gemeinsam mit der Handelskammer eingeführt worden, um Bargeldknappheit und den Umlauf abgenutzter Banknoten zu bekämpfen.
Das Büro warf Israel vor, den Streit zu nutzen, um die Lieferungen in den Gazastreifen weiter einzuschränken. Die Behörden in Gaza seien nicht für die geringere Zahl eingefahrener Lkw verantwortlich. Es rief Vermittler und internationale Akteure auf, die Einfahrt von 600 Lkw täglich durchzusetzen, wie es bestehende Vereinbarungen mit Israel vorsehen. Weitere Beschränkungen würden die humanitäre und wirtschaftliche Krise im Gazastreifen verschärfen, warnte das Büro.
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