Die EU will heute eine eigene Strategie für die Arktis vorstellen. Das berichtete die tagesschau, deren Autor Thomas Spickhofen die Vorlage beschreibt.
Er bezeichnete die Arktis als den inzwischen kritischsten Bereich Europas.
Nach den Angaben im Bericht werden die bereits vorhandenen Seewege im kommenden Jahrzehnt besser nutzbar sein, neue Handelsrouten sollen entstehen. Auch Rohstoffe würden leichter zugänglich. Genannt werden vermutete große Vorkommen von Erdöl und Erdgas sowie metallische Stoffe wie Eisen, Kupfer und Nickel.
Auch militärisch gewinne die Region an Gewicht. Die USA wollen ihre Präsenz auf Grönland ausbauen, inzwischen in Absprache mit Dänemark. Die Region sei ein geopolitischer Hotspot geworden. Russland baue dort militärische Kapazitäten auf und nutze seine Präsenz für hybride Aktivitäten, und zwar jeden Tag.
Auch für die digitale Zukunft Europas könne die Arktis eine wichtige Rolle spielen. Es liege daher nahe, Alternativen in die Arktis zu legen. Eine neue Infrastruktur dort würde die Latenzzeit im Datentransfer verringern, was etwa für den Börsenhandel große Bedeutung habe.
Bendiek sieht in einer solchen Zusammenarbeit auch ein mögliches Vorbild für partnerschaftliches Vorgehen, in Zeiten, in denen internationale Zusammenarbeit unter Druck stehe. Die EU spiele bei transarktischen Kabelverbindungen eine immer wichtigere Rolle, weil sie Forschung, Infrastrukturausgleich, Sicherheitspolitik und Klimaschutz verbinden und finanziell unterstützen könne.
Die Wissenschaftlerin sieht eine Chance der Arktis-Strategie zudem mit Blick auf Veränderungen des Golfstroms und die damit einhergehenden klimatischen Herausforderungen. Eine bessere digitale Infrastruktur ermögliche eine stärkere Frühwarnung für alle Anrainerstaaten, was im Kern auch Europa helfe.
Die EU nennt ihre Arktis-Strategie „Europe's northern neighbourhood“, zu deutsch „Europas nördliche Nachbarschaft“. Bereits vor fünf Jahren hatte die EU mit einem 20-seitigen Papier eine erste Art Arktis-Strategie vorgelegt.
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