Die unabhängige australische Abgeordnete Helen Haines ist nach einem Angriff mit einem Auto in kritischem Zustand. Wie die Hindustan Times berichtet, wurde die 65-Jährige am Montag (19. Oktober) gegen 15.35 Uhr vor ihrem Wahlkreisbüro in Wangaratta im Bundesstaat Victoria erfasst. Die Stadt liegt gut 200 Kilometer nordöstlich von Melbourne.
Haines musste in der Nacht in Melbourne notoperiert werden, wie der australische Sender ABC berichtete. Die Ärzte hätten eines ihrer Beine amputieren müssen, um das zweite werde noch gekämpft, meldeten lokale Medien. Die Verletzungen betreffen den unteren Körperbereich.
Der Fahrer eines Toyota Land Cruiser soll vor dem Büro gewendet haben, während Haines Gegenstände aus dem Kofferraum ihres Autos holte. Laut Zeugen, die lokale Medien zitierten, setzte der Wagen danach zurück und erfasste sie ein zweites Mal. Ein 43 Jahre alter Mann wurde am Tatort festgenommen, ein Passant soll ihn festgehalten haben.
Premierminister Albanese äußerte sich in einem Video auf Instagram. Haines befinde sich nach der Operation weiterhin in einem kritischen Zustand, sagte er, und ein Verdächtiger sei in Gewahrsam. Gegenüber dem Sender ABC erklärte Albanese, nach ersten Erkenntnissen handle es sich um eine bewusste Tat, es sei kein Unfall gewesen. Das Motiv sei noch nicht bekannt. Die Ermittlungen führen die Polizei des Bundesstaats Victoria gemeinsam mit der Bundespolizei AFP, dem Inlandsgeheimdienst ASIO und der gemeinsamen Anti-Terror-Einheit. Die Polizei prüfe mögliche Anklagepunkte, unter anderem die Verletzung eines Amtsträgers des Bundes, für die eine Höchststrafe von zehn Jahren Haft vorgesehen ist. Die Behörden bezeichneten den Vorfall als isoliert, bislang seien keine damit zusammenhängenden Drohungen bekannt.
Haines war früher Krankenschwester, Hebamme und Akademikerin. Sie zog 2019 als unabhängige Abgeordnete für den Wahlkreis Indi ins Parlament ein und verteidigte ihren Sitz bei den Wahlen 2022 und 2025. Sie gilt als profilierte Verfechterin von Rechenschaftspflicht der Regierung und der Bekämpfung von Korruption.
Albanese rief die Australier dazu auf, die politische Debatte weniger aufgeheizt zu führen und respektvoller miteinander umzugehen. Eine wachsende Polarisierung könne den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden, warnte er. Jeder trage Verantwortung dafür, die Temperatur herunterzudrehen. Mit Blick auf die vergangenen Jahre äußerte er Sorge über die steigende Zahl von Drohungen gegen Politiker. Im jüngsten Wahlkampf registrierte die Polizei laut Bloomberg 51 Meldungen über mutmaßliche Straftaten. Der Jahresbericht der Bundespolizei nennt Drohungen gegen Bundesparlamentarier und Kandidaten, persönlich wie über Online-Plattformen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
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