Daniel Lampart zieht sich aus der Bundespolitik zurück. Der Chefökonom und Zentralsekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB) steht nach 20 Jahren vor dem Abschied, wie die Luzerner Zeitung berichtet. Zuvor muss er noch einen wichtigen Abstimmungskampf führen: Es geht um die Finanzierung der 13. AHV-Rente.
Lampart sagt, es sei nicht das Wunschprogramm des Verbands, die AHV-Finanzierung lohne sich aber für Gering- und Normalverdienende. Die Abstimmung findet am 29. November statt.
Lampart bezeichnet dies als seinen grössten Sieg. Die Kampagne sei vom Vorschlag des Gewerkschaftsbunds ausgegangen, daraus sei letztlich eine Volksbewegung geworden. Beim Verteilen von Flyern hätten viele Passanten abgewunken, weil sie bereits welche bestellt und in der Nachbarschaft verteilt hätten.
Bundesrat, Parlament und Wirtschaft standen gegen Lampart. Von einem Sieg spricht er gegenüber Journalisten nicht. Er nennt das Ergebnis lieber eine sehr wichtige Verbesserung für die Leute.
Die Zeitung beschreibt Lampart als gewieften Taktiker, ehrgeizig und machtbewusst. Man müsse jagen, damit man nicht gejagt werde, sagt er. Einem neuen Mitarbeiter, der nicht wusste, wie er die unterschiedlichen Interessen der Mitgliedsgewerkschaften bündeln soll, soll er geraten haben, schneller zu sein als sie. Dann ergebe sich die Themenführerschaft von allein.
Gemeinsam mit SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard hat Lampart nach Einschätzung der Zeitung einen gewissen Führungsanspruch. Sie nennt SVP, SP und den Gewerkschaftsbund als die drei Akteure in der Schweiz, die im Nu Tausende mobilisieren können.
Als seine Schwäche nennt Lampart, andere bei seinen Überlegungen ausreichend mitzunehmen. Ihm sei vieles klar, das anderen zu vermitteln falle ihm manchmal schwer, heisse es.
Den Drang zur ständigen Verbesserung führt Lampart auf die Musik zurück. Er spielt Kontrabass und wollte einst Profimusiker werden. Fast täglich übt er an seinem Instrument. Fortschritt komme erst nach harter Arbeit, sagt er.
Von der ersten Idee bis zum Abstimmungserfolg der 13. AHV-Rente seien 22 Jahre vergangen, dazwischen habe es Hunderte Niederlagen und Rückschläge gegeben. Lampart ist laut Zeitung zuversichtlich, dass es auch bei der neuen Abstimmung gut ausgeht.
Die Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes hat die Nein-Parole beschlossen, und erste Umfragen sehen nach Angaben der Zeitung nicht gut aus. Der Gegner sei aber geschwächt. Die FDP müsse den Abstimmungskampf allein führen, ohne Unterstützung des Wirtschaftsverbands Economiesuisse. Lampart warnt dennoch davor, die Abstimmung zu unterschätzen.
Nicht immer war der Einfluss des SGB so gross. Anfang der 2010er-Jahre warnte Lampart vor dem Frankenschock, und Bürgerliche empfahlen ihm damals Nachhilfe in Geldpolitik. Heute höre er so etwas seltener. Einfluss und Macht könnten einen jedoch von den Leuten entfernen, sagt er.
Ab dem kommenden Jahr wird Lampart Präsident des gewerkschaftsnahen PK-Netzes und sich mit der beruflichen Vorsorge befassen. Das Vorsorgegeld soll den Versicherten zugutekommen. Bei Pensionskassen, die von Versicherungen geführt werden, werde zu viel Geld abgeführt, sagt er. Das Geld gehöre den Arbeitnehmenden und Pensionierten.
Sein ständiges Vorwärtsdenken habe ihm beim SGB Vorteile gebracht, sagt Lampart, aber auch Nachteile.
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