Die öffentliche Verschuldung in der Europäischen Union steigt weiter. Nach den am Mittwoch veröffentlichten Zahlen des Statistikamts Eurostat belief sich der Schuldenstand der 27 Mitgliedstaaten im ersten Halbjahr auf 82,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Wie El País berichtet, ist das der höchste Stand seit dem Abbau der umfangreichen Corona-Hilfen.
In der Eurozone fällt der Wert mit 88,8 Prozent noch höher aus. Große Sprünge gebe es zwar nicht, nach Einschätzung der Zeitung kehre sich der Trend aber auch nicht um.
Die Märkte verlangen von den Staaten höhere Renditen für ihre Anleihen, vor allem von Frankreich. Das Land habe seit Jahrzehnten unausgeglichene Staatsfinanzen, sein Defizit liege über 5 Prozent des BIP, die Gesamtverschuldung bei 119 Prozent. Der Risikoaufschlag gegenüber den zehnjährigen Bundesanleihen habe am Mittwoch fast 160 Basispunkte erreicht und andere hoch verschuldete Länder mitgezogen, etwa Italien und Griechenland, deren Schuldenquote rund 140 Prozent betrage.
Spanien gehört laut dem Bericht trotz der allgemeinen Entwicklung nicht zu den am stärksten betroffenen Ländern. Die spanische Verschuldung zeige einen klaren Abwärtstrend und habe im zweiten Quartal 101,4 Prozent betragen. Die meisten Einschätzungen erwarteten, dass sie 2026 unter 100 Prozent liegen werde.
Auch die jüngsten Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank wirken nach Darstellung der Zeitung nicht entlastend. Die Inflation habe die Notenbank in Frankfurt unter Druck gesetzt, die Preise abzukühlen. Dadurch verschärften sich jedoch die Finanzierungsbedingungen an den Märkten, und Anleihen für Unternehmen und Staaten würden teurer.
Diesmal steigt die Verschuldung allerdings nicht nur in Ländern, die von den Märkten mit Misstrauen beobachtet werden. Der Anstieg sei breiter angelegt. Nach der Pandemie sei die Schuldenquote im Verhältnis zum BIP zunächst gesunken, und auch die Energiekrise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine habe diesen Rückgang nicht gestoppt.
Der Angriff habe jedoch einen Wandel der globalen Geopolitik ausgelöst, der sich mit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus verstärkt habe. Seitdem hätten die meisten EU-Länder ihre Verteidigungsausgaben erhöht, mehrere davon durch neue Schulden. Diese Entwicklung sei in den Staaten besonders deutlich, die näher an der Grenze zu Russland liegen.
Polen habe seine Schuldenquote trotz seines starken Wachstums erhöht, obwohl das Land stets ein klares Bekenntnis zur finanzpolitischen Stabilität gezeigt habe. Anfang 2023 lag die Verschuldung bei 48,8 Prozent des BIP, dreieinhalb Jahre später bei 64,5 Prozent. Polen sei der NATO-Verbündete, der am meisten für Verteidigung und Sicherheit ausgebe und sich dem Ziel von 5 Prozent des BIP nähere.
Eine ähnliche Entwicklung, wenn auch mit anderen Werten, verzeichneten die drei baltischen Republiken Estland, Lettland und Litauen sowie Rumänien. Auch Deutschland nennt die Zeitung in diesem Zusammenhang. Dort vermische sich der Verteidigungsaufwand mit der eigenen Wirtschaftskrise, in der die größte europäische Wirtschaftsmacht seit dem Ende der Pandemie feststecke. Zudem sei China im Bereich der Hochtechnologieprodukte zu einem ernsten Konkurrenten geworden.
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