Die US-Bundespolizei FBI prüft, ob sie gegen den früheren OpenAI-Ingenieur Abdulrahman A. Anklage wegen Wirtschaftsspionage erhebt. Das berichtete das Wall Street Journal, wie die Jerusalem Post meldet. Der Mann war festgenommen worden, weil er in einem gesperrten Konferenzraum des Unternehmens für künstliche Intelligenz ein Aufnahmegerät installiert haben soll.
Ermittler prüfen nach Angaben eines Vertreters der Strafverfolgungsbehörden, ob Abdulrahman A. vertrauliche Informationen beschafft hat, um sie der saudischen Regierung anzubieten. Zudem erwägt die Behörde mögliche Anklagen wegen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen. Es sei jedoch möglich, dass die Ermittlungen zu keiner weiteren Anklage führen.
Bislang lautet die Anklage auf das unrechtmäßige Abfangen von Kommunikation. Dafür drohen bis zu fünf Jahre Haft. Abdulrahman A. soll einen kleinen Schaltkreis und ein Mikrofon hinter einem Fernseher versteckt haben. Der Raum wird überwiegend von Führungskräften von OpenAI genutzt. Der nächste Gerichtstermin ist für den 6. November angesetzt.
Sein Anwalt William P. erklärte, ihm lägen keine Hinweise darauf vor, dass weitere Anklagepunkte erwogen würden. Der Mandant werde sich gegen die Vorwürfe vor Gericht wehren und nicht in der Presse.
Staatsanwälte geben an, dass Abdulrahman A. in den Jahren 2025 und 2026 häufig per WhatsApp mit einem nicht namentlich genannten Mitglied der saudischen Königsfamilie in Kontakt stand. Dieses Mitglied soll versucht haben, ihn für eine saudische Initiative im Bereich künstliche Intelligenz zu gewinnen. Die Nachricht lautete sinngemäß, Saudi-Arabien brauche ihn mehr als die USA. Abdulrahman A. soll zustimmend geantwortet, aber angedeutet haben, bei OpenAI bleiben zu wollen, bis seine Firmenanteile unverfallbar seien.
Die letzte bekannte Nachricht wurde am 5. Oktober ausgetauscht. Am selben Tag soll Abdulrahman A. in den Konferenzraum zurückgekehrt sein, um das Gerät zu holen. Sicherheitspersonal von OpenAI hatte es jedoch bereits entdeckt und entfernt und anschließend das FBI informiert.
Die Staatsanwälte legten außerdem offen, dass Abdulrahman A. Einweg-Tickets nach Saudi-Arabien über Istanbul gekauft hatte, und zwar für sich, seine Frau und den drei Monate alten Sohn. Er wurde drei Tage vor der geplanten Abreise festgenommen. Seine Frau und der Sohn reisten danach nach Katar. Die Business-Class-Tickets dafür soll ein saudischer Militärbeamter bezahlt haben. Die Verteidiger erklärten, der Beamte sei der Schwager der Frau gewesen, es seien keine Militärgelder verwendet worden, und Abdulrahman A. buche häufig einfache Flüge.
Bei einer Haftprüfung am 19. Oktober stellte der US-Richter Alex G. Tse ein Schreiben des saudischen Konsulats in Los Angeles infrage. Das Konsulat hatte angeboten, die gesamte Kaution zu übernehmen. Selbst bei zehn Millionen Dollar hielt der Richter dies für problematisch und sprach von einem Blankoscheck. Abdulrahman A. wurde die Freilassung verweigert, weil der Richter ein erhebliches Fluchtrisiko sah.
OpenAI prüft nach Angaben einer mit den Ermittlungen vertrauten Person, welche Informationen das Gerät möglicherweise aufgezeichnet hat. Außerdem werde untersucht, ob es sich um Wirtschaftsspionage oder um mögliche staatlich gesteuerte Informationsbeschaffung handelt.
Es gilt die Unschuldsvermutung.
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