Pakistan hat die direkte Kontrolle über die Provinz Khyber Pakhtunkhwa übernommen. Präsident Asif Ali Zardari unterzeichnete auf Vorschlag von Premierminister Shehbaz Sharif eine Erklärung zum Ausnahmezustand. Zugleich stellte er fest, dass die Provinzregierung nicht mehr verfassungsgemäß handlungsfähig sei. Wie Al Jazeera berichtete, wurde Regierungschef Sohail Afridi nach Angaben des stellvertretenden Innenministers Talal Chaudhry in Gewahrsam genommen.
Gouverneur Faisal Karim Kundi soll nun die Aufgaben der Provinzregierung übernehmen. Kundi gehört der Pakistan Peoples Party (PPP) an, die mit der Regierung von Sharif verbündet ist. Ein elfköpfiger Beirat soll ihn unterstützen. Die Armee, die bereits in der Provinz eingesetzt ist, soll bei der Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung helfen.
Die Befugnisse der Provinzversammlung, in der die PTI über eine Mehrheit verfügt, gehen auf das Parlament über. Der Regierungschef, Minister, Berater, Sonderberater und der Generalstaatsanwalt verlieren laut der Erklärung mit sofortiger Wirkung ihre Ämter. Der Jurist Hassan Abdullah Niazi sagte gegenüber Al Jazeera, dies bedeute nicht zwangsläufig eine dauerhafte Auflösung der Provinzversammlung oder die endgültige Absetzung des gewählten Regierungschefs. Beide müssten nach Aufhebung des Ausnahmezustands wieder eingesetzt werden.
Für zwölf ausgewiesene Bezirke wurde zusätzlich ein Sekretariat auf Bundesebene eingerichtet. Die meisten dieser Bezirke liegen in den früheren Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan. Ein zusätzlicher Hauptsekretär soll es leiten; seine Anordnungen sollen dieselbe rechtliche Wirkung haben wie jene der Provinzregierung. Innenminister Mohsin Naqvi erklärte, die Bezirke würden nicht abgespalten, sondern wegen der dort nötigen stärkeren Finanzierung und Konzentration gesondert behandelt.
In diesen Bezirken gilt zudem die Verfassungsvorschrift zur Trennung der Justiz von der Exekutive nicht. Die Verfassungsjuristin Rida Hosain sagte gegenüber Al Jazeera, dadurch könnten Verwaltungsbeamte gerichtliche Aufgaben übernehmen.
Die Erklärung spricht von Terrorangriffen mit einer beispiellos hohen Gewaltintensität und wirft der Provinzregierung vor, nicht ausreichend gegen den Terrorismus vorgegangen zu sein.
Informationsminister Ataullah Tarar beschuldigte die PTI-Regierung in der Provinz, mit bewaffneten Gruppen zusammenzuarbeiten. Belege dafür legte er nicht vor. Naqvi sagte, die Regierung verfüge über Dutzende Beweisstücke, veröffentlichte sie aber ebenfalls nicht. Nach Angaben des Pakistan Institute for Conflict and Security Studies gab es in Pakistan 2025 mindestens 1.066 Angriffe nach 908 im Jahr 2024. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 registrierte das Institut landesweit 1.232 Angriffe, die meisten davon in Khyber Pakhtunkhwa und Belutschistan.
Die PTI weist die Vorwürfe zurück. Parteivorsitzender Gohar Ali Khan fragte, warum die Gouverneursregierung für die gesamte Provinz gelte, wenn sich die Sicherheitsprobleme auf zwölf Bezirke konzentrierten. Der frühere Provinzfinanzminister Taimur Jhagra sagte gegenüber Al Jazeera, die Provinzregierung habe den Kampf gegen den Terrorismus selbst geführt.
Nach Angaben der PTI wurden neben Afridi auch Provinzparteichef Junaid Akbar und Parlamentspräsident Babar Swati festgenommen. Naqvi hatte erklärt, benötigte Personen könnten zum Schutz der öffentlichen Ordnung in Gewahrsam genommen werden. Gesuchte Personen würden festgenommen, andere würden freigelassen, sobald sich die Sicherheitslage verbessere. Die PTI teilte außerdem mit, mehrere Provinzminister und Abgeordnete seien bereits vor der Verhängung des Ausnahmezustands festgesetzt worden.
Der Netzüberwachungsdienst NetBlocks meldete eine erhebliche Störung der Internetverbindungen in Teilen der Provinz. Verwaltungen in Peschawar, Mardan, Swabi und Nowshera schlossen Schulen und Hochschulen.
Da Zardari den Ausnahmezustand ohne Beschluss der Provinzversammlung verhängte, müssen beide Kammern des Parlaments ihn innerhalb von zehn Tagen bis zum 21. Oktober bestätigen. Sitzungen der Nationalversammlung und des Senats wurden einberufen. Innerhalb von 30 Tagen muss der Ausnahmezustand außerdem einer gemeinsamen Parlamentssitzung vorgelegt werden. Ohne deren Zustimmung endet er nach zwei Monaten.
Nach einer Bestätigung gibt die Verfassung kein festes Enddatum vor. Der Ausnahmezustand bleibt bestehen, bis er aufgehoben wird oder eine Mehrheit der Gesamtmitglieder beider Kammern dagegen stimmt.
Gohar kündigte an, die Maßnahmen vor Gerichten und in den Parlamenten anzufechten. Den geplanten Marsch nach Islamabad habe die PTI nicht offiziell abgesagt; der politische Kampf werde fortgesetzt.
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