Familien in China unterstützen erstmals mehr ältere Menschen als Kinder. Das teilte die Regierung in Peking mit, wie die BBC berichtete. Laut kürzlich veröffentlichten offiziellen Daten stieg das Verhältnis der abhängigen älteren Menschen zur erwerbsfähigen Bevölkerung im vergangenen Jahr auf 23 Prozent. Damit überholte es den Wert für Kinder, der bei 22 Prozent lag.
Die Zahlen werden genau beobachtet, weil sie zeigen sollen, wie sich die schrumpfende Erwerbsbevölkerung auf die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und auf das globale Wachstum auswirkt. Analysten zufolge kann der Wandel Folgen für Familien, Renten und Ausgaben für die Gesundheitsversorgung haben.
Nach den Daten des Nationalen Statistikamts leben derzeit mehr als 223 Millionen Menschen ab 65 Jahren in China. Das entspricht knapp 16 Prozent der Gesamtbevölkerung. Zugleich gibt es etwa 213 Millionen Kinder im Alter bis einschließlich 14 Jahre.
Zu der Statistik wurde kein offizieller Kommentar veröffentlicht. Das staatlich kontrollierte Nachrichtenportal Global Times schrieb, der Übergang in eine moderat alternde Gesellschaft sei das Ergebnis mehrerer Faktoren. Dazu zählten die Größe früherer Geburtenjahrgänge und eine höhere Lebenserwartung.
Der Wandel könnte Rentensysteme, Gesundheitsversorgung und Langzeitpflege zusätzlich belasten, schrieb die Zeitung. Zugleich entstünden Chancen in der sogenannten Silver Economy, die sich an ältere Konsumenten richtet. Global Times zitierte zudem einen Forscher, der die Entwicklung als historischen Trend der demografischen Entwicklung und nicht als kurzfristiges Phänomen einordnete.
Stuart Gietel-Basten von der Hong Kong University of Science and Technology bezeichnete die Verschiebung als symbolisch. Er sagte, öffentliche Ausgaben könnten von Familien und Schulen hin zu Renten und Gesundheitsversorgung wandern. Mu Zheng, Soziologie-Dozent an der National University of Singapore, warnte, der Wandel könne die Ambitionen des Landes herausfordern. Er könne das Wirtschaftswachstum sowie die Kaufkraft der Menschen begrenzen.
Die Regierung schätzt, dass diese Strategie seit ihrem Beginn etwa 400 Millionen Geburten verhindert hat. Diese Zahl ist allerdings umstritten. Die Politik habe die Bevölkerung schrumpfen lassen und bedeute, dass weniger junge Menschen eine wachsende Zahl älterer Angehöriger unterstützen müssten.
Die Geburtenraten erreichten historische Tiefststände. Weitere Faktoren seien veränderte Geschlechterrollen, steigende Lebenshaltungskosten und höhere Bildungsabschlüsse, die die Fruchtbarkeitsrate unter Druck setzten.
Peking hat die weitere Unterstützung älterer Menschen in den Fünfjahresplan aufgenommen, der früher in diesem Jahr vorgestellt wurde. Die finanzielle Hilfe für Rentner ist ein wachsender Posten der Staatsausgaben. Ende 2025 erhielten laut offiziellen Zahlen mehr als 53 Millionen ältere Menschen Seniorenzulagen und Zuschüsse.
Global Times merkte an, dass viele Menschen, die zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren geboren wurden, im Vergleich zu früheren Generationen allgemein höhere Einkommen, mehr Kaufkraft und eine bessere Gesundheit haben. Das Abhängigkeitsverhältnis gilt als gängiges Maß für alternde Bevölkerungen. Einige Experten halten seinen Umfang jedoch für zu begrenzt.
Gietel-Basten sagte, die Verwendung dieser Statistik riskiere, älteren Menschen die Selbstbestimmung zu nehmen. Viele von ihnen würden fälschlich als Abhängige dargestellt. Außerdem berücksichtige die Kennzahl keine Verbesserungen im Gesundheitswesen, fügte er hinzu.
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