Er verlangt unpopuläre Reformen und richtet zugleich einen eindringlichen Appell an die Deutschen.
In der Sendung ging es um Zorn und Zuversicht in Deutschland. Neben Gauck saßen der Historiker Philipp Blom sowie die Journalisten Paul Ronzheimer und Melanie Amann in der Runde. Gleichzeitig hielt er den Jungen vor, gesellschaftlichen Wandel nicht allein von politischen Entscheidungsträgern erwarten zu können.
Zur Frage, ob Friedrich Merz kurz vor einem Rücktritt gestanden habe, sagte Gauck, er sei fest überzeugt, dass Merz ein Szenario durchdacht habe, ob es günstig wäre, schon jetzt zu wechseln. Zugleich kritisierte Gauck interne Identitätsprobleme und Machtkämpfe in den Regierungsparteien.
Als Beispiel für politischen Mut nannte Gauck Gerhard Schröder und dessen Agenda-Politik. Ohne starke Wirtschaft lasse sich der Sozialstaat in seiner heutigen Form nicht weiter finanzieren.
Illner verwies auf Meldungen, wonach Elif Eralp Bürgermeisterin in Berlin werden wolle. Der „Spiegel“ berichte, sie habe Angst vor Hamas-Sympathisanten in der Stadt. Auf die Frage, ob man an ein Bündnis aus Rot-Rot-Grün in Berlin noch gut glauben könne, sagte Gauck, es sei nicht die Regierung, die er sich wünsche. Demokratisch sei es aber, zu sagen: Jetzt lassen wir sie mal machen. Dabei fühle er sich sehr unwohl.
Ronzheimer, der für Axel Springer arbeitet, sah in Eralps Äußerungen ein deutliches Warnsignal für die SPD.
Im weiteren Verlauf ging es um den Ukrainekrieg. Gauck lobte die deutsche Unterstützung für die Ukraine. Moskau habe Deutschland als besonders schlimme Finger adressiert, weil es Hauptunterstützer des überfallenen Landes sei. Das Gegenteil sei der Fall, so Gauck: Eine erzeugte Schwäche ermutige den Aggressor. Ohne Unterstützung werde die Ukraine verlieren. Die Folgen wären mit deutlich höheren Kosten verbunden, darunter Millionen neue Flüchtlinge und mehr Rüstungsausgaben.
Solidarität sei nicht allein Aufgabe der Regierung.
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