Von den ökologisch wertvollen Flussstrecken in Österreich ist ein Großteil ohne rechtlichen Schutz vor neuen Wasserkraftanlagen. Darauf weist der Umweltverband WWF in einem aktuellen Report hin, über den die Salzburger Nachrichten berichten.
Für den Report hat der WWF Gewässerdaten mit den geltenden Schutzbestimmungen abgeglichen. Die größten Lücken zeigen sich in Kärnten und Vorarlberg.
Ungeschützt sind laut Report auch jene Abschnitte, die Bund und Länder gezielt renaturieren wollen. WWF-Expertin Bettina Urbanek warnte, neue Kraftwerke könnten diese Renaturierungen über Jahrzehnte blockieren.
Der Report erfasst österreichweit mehr als 6.600 Wasserkraftanlagen. Auch bei vielen bestehenden Anlagen sieht der WWF erhebliche Mängel. Bei der Stromerzeugung werde Wasser aus dem Flussbett ausgeleitet und erst weiter flussabwärts wieder zurückgeführt. Dadurch bleibe im ursprünglichen Bett oft nur ein geringer Wasseranteil. In 57 Prozent dieser Restwasserstrecken sei die ökologisch notwendige Mindestwassermenge nicht sichergestellt.
Für Fische sind laut WWF 77 Prozent der Querbauwerke mit Wasserkraftnutzung unüberwindbar. Urbanek erklärte, dass sich geringe Wassermengen bei Hitze schneller erwärmen. Versperrte Wanderwege hinderten die Tiere zudem daran, in kühlere Abschnitte auszuweichen. Für Huchen, Äsche und Forelle seien überfällige Sanierungen deshalb eine Frage des Überlebens.
Wehre und Staudämme unterbrechen außerdem den natürlichen Transport von Kies und Schotter.
Ökologisch wertvolle und geplante Renaturierungsstrecken sollten rechtlich vor weiteren Verbauungen geschützt werden. Außerdem verlangt der Verband, die Förderung neuer Kleinwasserkraftwerke zu beenden, da deren begrenzter zusätzlicher Strombeitrag keine dauerhaften Eingriffe in weitere Flussstrecken rechtfertige.
Die Betreiber sollten sich zudem stärker an den anfallenden Kosten beteiligen. Die Erträge sollen ausschließlich dem Gewässerschutz und der Renaturierung dienen.
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