Die Einkommensungleichheit in Deutschland hat seit 1992 deutlich zugenommen. Im selben Zeitraum stieg die Armutsquote um 45 Prozent.
Die Analyse zeichnet ein Bild einer zunehmend gespaltenen Gesellschaft.
Der Studie zufolge ist die untere Mittelschicht deutlich kleiner geworden. Gleichzeitig legten die Einkommen der Reichen stärker zu als die übrigen Haushalte.
Der Anteil armer Haushalte lag 1992 bei 11,9 Prozent und betrug 2024 17,3 Prozent. Grundlage sind neueste Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) mit 23.000 Personen für das Jahr 2024.
Die wissenschaftliche Direktorin des WSI, Bettina Kohlrausch, sagte, auch in Zeiten geringer Arbeitslosigkeit habe man eine Zunahme und Vertiefung von Armut sowie ein Wachstum der Einkommensungleichheit beobachtet. Dies sei die Schattenseite der Entwicklung, da bestimmte Gruppen nicht profitierten. Als Ursache nannte sie unter anderem, dass der Sozialstaat weniger umverteile als früher.
Kohlrausch sagte außerdem, das alte Versprechen, Arbeit sorge für gesellschaftliche Teilhabe und Integration, gelte nicht mehr. Davon habe nach ihren Worten die AfD bei den jüngsten Wahlerfolgen profitiert. Die Entwicklung betreffe deshalb nicht nur arme Menschen, sondern alle. Das habe das Potenzial, Gesellschaft und politisches System zu destabilisieren.
Die Studienverfasser Dorothee Spannagel und Claus Schäfer fassen zusammen: Die Armut habe sich vertieft, die untere Mitte sei unter Druck geraten, und Reichtum ballt sich zunehmend an der Spitze.
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