Rund 300 Einsatzkräfte haben auf dem Truppenübungsplatz Annaburger Heide in Sachsen einen militärischen Angriff auf mehrere östliche Nato-Staaten simuliert. Bei der dreitägigen Übung versorgten sie im 24-Stunden-Echtzeitbetrieb bis zu 100 Verletzte.
Die Medizinischen Taskforces Leipzig, Dresden und Chemnitz arbeiteten in Schichten. Das Szenario begann mit dem Hilfegesuch eines Nato-Bündnislandes an deutsche Einsatzkräfte. Drei Tage nach dem Hilfegesuch nahm der Behandlungsplatz den Betrieb auf.
Die Verletzten sollten aus einem angegriffenen Land an einen Übergabepunkt gebracht werden. Von dort aus sollten Krankentransporte die Patienten zum Behandlungsplatz bringen.
Auf dem Gelände wurden unter anderem Verbrennungen, Knochenbrüche und Schussverletzungen behandelt. Eine bewusstlose Patientin mit einer Schussverletzung wurde in einem Zelt gesichtet und der Kategorie Rot zugeordnet. Sie hätte sofort weiterbehandelt werden müssen.
Appelt sagte, die Abläufe hätten sich bislang eingespielt. Der Bund trete beim Zivilschutz inzwischen stärker auf, zudem werde die Ausstattung angepasst. Die Einsatzkräfte verfügten nun überall über geländegängige Fahrzeuge, damit sie auch zerstörte Infrastruktur erreichen könnten.
Grenzen der Übung zeigten sich nach Einschätzung Appelts vor allem beim Personal. In zwei Behandlungszelten traten während der Übung Komplikationen auf: In einem drohte der Sauerstoff auszugehen, in einem anderen erlitt ein Patient einen Blutungsschock.
Appelt sagte, solche Situationen ließen sich mit zu wenigen Ärzten im Ernstfall nicht bewältigen. Es müsse entschieden werden, wer wann wohin transportiert werde. Als möglichen Grund für den Mangel an Fachkräften nannte er das geringe Interesse von Ärzten, zusätzlich zu ihren Klinikdiensten ehrenamtlich tätig zu sein.
Auch Mario Preller, Leiter der Stabsstelle Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz Leipzig, sieht beim Personal eine Schwachstelle. Auf allen Ebenen sei in den vergangenen Jahren Personal im Zivilschutz abgebaut worden. Um das System aufrechtzuerhalten, werde Personal benötigt.
Das würde die medizinischen Strukturen an ihre Grenzen bringen. Kliniken könnten seiner Ansicht nach helfen, indem sie den ehrenamtlichen Einsatz von Ärzten etwa als Dienstzeit anerkennen.
Auch bei den übrigen Ehrenamtlichen gebe es einen Mangel. Besonders gebraucht würden Menschen, die nicht aus dem medizinischen Bereich kämen und nicht bereits in kritischen Infrastrukturen gebunden seien.
Das vorgesehene Krankenhaus hatte einen Aufnahmestopp für Schwerverletzte, deshalb kehrte der Krankentransport mit ihr zurück. Die künstlich beatmete Frau hatte laut Szenario nur noch für 41 Minuten Sauerstoff.
Wenn die Flasche leer gewesen wäre, hätte sie von Hand mit einem Beatmungsbeutel beatmet werden müssen. Bei gleichzeitig eintreffenden Schwerverletzten könnte dafür nach Einschätzung Appelts möglicherweise kein Personal bereitstehen. Dann müsste im Einzelfall entschieden werden, wer die besten Überlebenschancen habe und zuerst behandelt werde.
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