Die Zahl der Menschen in multidimensionaler Armut ist erstmals seit 15 Jahren gestiegen. Sie erreichte 1,2 Milliarden, wie UN News berichtete. Das geht aus der Aktualisierung des globalen Multidimensional Poverty Index für 2026 hervor, den das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und die Universität Oxford veröffentlichten.
Die Zahl liegt um 51,5 Millionen über dem Wert der Aktualisierung von 2025. Mehr als die Hälfte der Betroffenen sind Kinder: 617 Millionen. 83 Prozent leben in ländlichen Gebieten.
Der Index erfasst Armut anhand miteinander verbundener Benachteiligungen in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Lebensstandard. Er berücksichtigt zehn Indikatoren, darunter Ernährung, Kindersterblichkeit, Schuljahre sowie den Zugang zu Elektrizität, Trinkwasser und sanitären Einrichtungen. Als multidimensional arm gilt, wer bei mindestens einem Drittel der Indikatoren Einschränkungen aufweist.
UNDP-Administrator Alexander De Croo sagte, der Anstieg der Armut solle ein Weckruf für die Welt sein. Hinter den Zahlen stünden 1,2 Milliarden Menschen, die mit sich verstärkenden Belastungen wie Hunger, verpasstem Schulunterricht und fehlendem Zugang zu sauberem Wasser oder Elektrizität konfrontiert seien. Das sei nicht akzeptabel.
Die Aktualisierung umfasst 108 Länder, in denen etwa 78 Prozent der Weltbevölkerung leben. Der Anstieg ist dem Bericht zufolge teilweise darauf zurückzuführen, dass das Bevölkerungswachstum die Bemühungen zur Verbesserung der Lebensstandards überholt hat. In 95 Ländern lagen keine neuen Erhebungsdaten vor. Aktualisierte Bevölkerungsschätzungen erhöhten dort die Zahl der als arm erfassten Menschen um knapp 16 Millionen.
Der übrige Anstieg entfällt auf 13 Länder, in denen neue Daten erhoben wurden. Diese spiegelten Veränderungen bei der Armutsquote und der Bevölkerungsentwicklung sowie Unterschiede bei der Erfassung der Indikatoren wider.
Die neuen Erhebungen zeigen ein uneinheitliches Bild. Ägypten, Nepal, Tadschikistan, Angola und Sambia konnten den Anteil der Menschen in multidimensionaler Armut verringern. In Angola und Sambia wuchs die Bevölkerung jedoch schneller als die Armut zurückging, sodass die Gesamtzahl der armen Menschen weiter zunahm. Nigeria hatte in den 2010er-Jahren deutliche Fortschritte erzielt. Danach stiegen dort sowohl die Armutsquote als auch die Zahl der Menschen, die Schwierigkeiten haben, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Die internationale Gemeinschaft hat zugesagt, den Anteil der Menschen in Armut bis zum Ende dieses Jahrzehnts mindestens zu halbieren. Die Autoren der Aktualisierung halten dieses Ziel für erreichbar. De Croo sagte, Fortschritt sei möglich. Länder, die diese Herausforderungen gemeinsam statt isoliert angegangen seien, hätten gezeigt, was entschlossenes Handeln bewirken könne.
Nach Angaben des UNDP haben 33 Länder ihren MPI-Wert innerhalb von weniger als 15 Jahren halbiert, darunter sechs Länder in Subsahara-Afrika. In Eswatini sank der Anteil der Menschen in multidimensionaler Armut von knapp 39 Prozent auf acht Prozent. China verzeichnete unter den Ländern mit verfügbaren Daten den schnellsten Rückgang: Dort halbierte sich der MPI-Wert zwischen 2010 und 2014 von 9,5 auf 4,2 Prozent.
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