Leser haben auf die Pisa-Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung vom 8. sowie vom 19. und 20. September mit unterschiedlichen Erklärungen und Vorschlägen reagiert. Günther Schuller aus Reichenberg verweist darauf, dass auch viele andere Länder schlechter abgeschnitten hätten. Selbst Finnland sei stärker abgefallen als Deutschland. Daraus folge, dass nicht nur die Schüler, sondern westliche Gesellschaften insgesamt ein Problem hätten.
Schuller führt die Verschlechterungen, die generell um 2012 eingesetzt hätten, unter anderem auf die zunehmende Smartphone-Nutzung zurück. Mit herkömmlicher Schule lasse sich das Problem seiner Ansicht nach nicht lösen. Schule müsse vor allem die intrinsische Motivation der Kinder fördern und das eigenständige Machen und Denken in den Mittelpunkt stellen.
Lehrer sollten nach Schullers Auffassung erklären, warum Lernen wichtig sei, Freude am Lernen wecken und für Fragen zur Verfügung stehen. Dann sei es weniger entscheidend, aus welchem familiären Umfeld ein Kind komme oder wann es ein Lernziel erreiche. Schulen, die mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet worden seien, zeigten bereits, was Schule heute leisten könne.
Vinod Talgeri aus Stuttgart vergleicht die Lage mit seinen Erfahrungen in Indien und den USA. Der deutsche Staatsbürger indischer Herkunft habe an der Universität Stuttgart studiert und sei geschäftlich häufig in den USA, auch im Silicon Valley, gewesen. Dort gebe es in Unternehmen zu wenige europäische Manager und Spitzenmitarbeiter; viele IT-Unternehmen würden von Asiaten geleitet.
Talgeri beobachtet nach eigenen Angaben, dass indische Schüler Mathematik häufig gern lernten, in mehreren Sprachen gut abschnitten und weniger Probleme mit Lesen und Schreiben hätten. Indien bringe weltweit gefragte Mathematiker und IT-Spezialisten hervor. Deutschland könne seiner Überzeugung nach deutlich mehr aus dem Potenzial seiner Schulkinder machen.
Holger Nachtigall aus Sachsenried kritisiert einen aus seiner Sicht zu starken Einsatz digitaler Geräte. Bildungs- und Hirnforscher warnten seit Jahren vor negativen Auswirkungen elektronischer Medien auf psychische Gesundheit, Konzentration und Lernerfolg jüngerer Kinder, schreibt er. Diese Forschung werde bei der Suche nach den Ursachen schlechterer Kompetenzen nicht ausreichend berücksichtigt.
An der Schule seiner Kinder würden Schüler mit Tablets und anderen elektronischen Geräten ausgestattet, während eine Stelle für Sozialpädagogik über Jahre unbesetzt geblieben sei.
Ute Taube aus Oberhaching hält hohe Erwartungen und klare Unterrichtsmethoden für entscheidend. Die sprachlich vielfältige Schülerschaft und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen müsse die Schule zunächst als gegeben hinnehmen. Sie könne den Schülern jedoch Orientierung geben und Leistungsbereitschaft in Mathematik, Deutsch, Englisch und Naturwissenschaften verlangen.
Taube plädiert außerdem dafür, Lernmethoden regelmäßig zu wiederholen. Dazu gehörten Lesetechniken für literarische und informative Texte, das Auswerten von Statistiken und Schaubildern sowie das Umwandeln von Textaufgaben in mathematische Gleichungen. Ohne ständige Wiederholung gerieten solche Verfahren ihrer Ansicht nach in Vergessenheit.
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