Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet trotz zahlreicher Krisen mit einem robusten Wachstum der Weltwirtschaft. In seinen am Dienstagmorgen zum Auftakt der Jahresversammlung in Bangkok veröffentlichten Prognosen erwartet der Fonds für dieses und das kommende Jahr ein inflationsbereinigtes Plus von 3,1 beziehungsweise 3,4 Prozent, berichtete die Süddeutsche Zeitung.
Für die Industrieländer veranschlagt der IWF im Mittel ein Wachstum von etwa zwei Prozent. Die Schwellenländer Asiens und Südamerikas dürften demnach jeweils um vier Prozent zulegen. Für die Staaten des mittleren und südlichen Afrikas erwartet der Fonds durchschnittlich 4,5 Prozent.
Auch die Aussichten für Deutschland korrigierte der IWF nach oben. Für das laufende Jahr rechnet er nun mit einem Wachstum von 1,3 Prozent, nachdem er im Juli noch 0,7 Prozent prognostiziert hatte. Für das kommende Jahr hob der Fonds seine Erwartung von 1,0 auf 1,1 Prozent an. Damit liegt der IWF auf einer Linie mit der Bundesregierung und deutschen Wirtschaftsforschungsinstituten, die wegen staatlicher Milliardenprogramme zur Modernisierung der Bundeswehr und der Infrastruktur eine spürbare, möglicherweise vorübergehende Belebung erwarten.
Unter den großen Industriestaaten weisen nur die USA und Spanien bessere Aussichten auf. Für die USA prognostiziert der IWF in beiden Jahren jeweils 2,3 Prozent Wachstum. Spanien soll um 2,5 beziehungsweise 1,8 Prozent wachsen. Frankreich ist das einzige Land aus diesem Kreis, dessen Perspektive der Fonds nach unten korrigierte. Auch Italien steht nach der Prognose kaum besser da.
Der IWF verweist zugleich auf die Vielzahl der Schocks, mit denen die Weltwirtschaft in kurzer Zeit konfrontiert gewesen sei. IWF-Chefvolkswirtin Silvana Tenreyo schreibt im Vorwort des Berichts, jeder einzelne dieser Schocks hätte das globale Wachstum erheblich beeinträchtigen können. Dennoch habe die globale Wirtschaft standgehalten.
Auf diese Widerstandsfähigkeit könne sich die Weltwirtschaft jedoch nicht verlassen, warnt der IWF. Ohne eine Ausweitung der Lieferkapazitäten und ein Wiederauffüllen geschrumpfter staatlicher Finanzreserven könne sie bald an ihre Grenzen stoßen. Als Risiken nennt der Bericht gesunkene Öl- und Gasreserven, Lieferengpässe bei anderen Rohstoffen, fehlenden Kunstdünger, politische Konflikte und klimabedingte Schäden. Diese Faktoren könnten die Lebensmittelpreise weiter erhöhen und vor allem Entwicklungsländer sowie ärmere Haushalte belasten.
Hinzu komme die stark gestiegene Verschuldung vieler Staaten. Sie habe die Anleihezinsen in zahlreichen Ländern auf die höchsten Stände seit Jahren oder Jahrzehnten getrieben. Der IWF fordert deshalb Maßnahmen zum Wiederaufbau finanzieller Puffer und zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit.
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