Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für den Nahen Osten und Zentralasien deutlich gesenkt. Die regionale Wirtschaft werde 2026 voraussichtlich um 0,3 Prozent schrumpfen, heißt es im jüngsten Weltwirtschaftsausblick, berichtete die Hindustan Times World. Vor sechs Monaten hatte der IWF noch ein Wachstum von 1,9 Prozent erwartet.
Als Grund nannte der Fonds eine längere Sperrung der Straße von Hormus als in den Annahmen seines April-Berichts. Für 2027 erwarte der IWF eine deutliche Erholung, sofern die Wasserstraße wieder geöffnet werde.
Der Krieg im Nahen Osten habe Ende Februar mit US-israelischen Angriffen auf den Iran begonnen. Teheran habe anschließend versucht, die Kontrolle über die Straße von Hormus zu erlangen, und wiederholt Schiffe angegriffen, die ohne Genehmigung durch die Meerenge gefahren seien. Die USA hätten daraufhin eine Gegenblockade gegen iranische Häfen verhängt und zunehmend Schiffe befreundeter Staaten durch die Wasserstraße eskortiert.
Am stärksten von den Unterbrechungen bei Schifffahrt und Produktion seien Irak, Kuwait, Katar und Bahrain betroffen. Bei den Kämpfen seien dort Ölanlagen beschädigt worden. Der IWF erwarte für alle vier Länder 2026 einen zweistelligen Rückgang der Wirtschaftsleistung und 2027 ein zweistelliges Wachstum, sobald sich Produktion, Exporte und Logistik normalisierten.
Saudi-Arabiens Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr voraussichtlich um 3,3 Prozent schrumpfen und im kommenden Jahr um 7,9 Prozent wachsen. Die Prognose sei vor einer Reihe tödlicher Angriffe auf den Flughafen von Riad erstellt worden, die in der vergangenen Woche begonnen hätten. Saudi-Arabien sei nach Einschätzung des IWF eines der am wenigsten betroffenen Länder der Region, weil die Wirtschaft über stärker diversifizierte Exportwege verfüge.
Das Land nutze seine East-West-Ölpipeline, um die Straße von Hormus zu umgehen und Rohöl an die Küste des Roten Meeres zu transportieren. Die Pipeline sei im September vorübergehend stillgelegt worden, nachdem sie durch Angriffe beschädigt worden sei, die mit vom Iran unterstützten Gruppen im Irak in Verbindung gebracht würden. Die Huthi im Jemen hätten seit dem Wiederaufflammen des Bürgerkriegs im Juli wiederholt saudische Ölanlagen und Tanker im Roten Meer angegriffen.
Für die Vereinigten Arabischen Emirate, die an beiden Seiten der Straße von Hormus Zugang zur Küste hätten, prognostizierte der IWF einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 3,9 Prozent. Oman werde als einziges Land am Golf in diesem Jahr voraussichtlich ein positives Wachstum von 2,4 Prozent erreichen. Für Iran rechnete der Fonds infolge des Kriegs, der Blockade und der US-Sanktionen mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 7,6 Prozent. Andere arabische Länder dürften angesichts der Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln vergleichsweise widerstandsfähig bleiben.
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