Stellantis und der Volkswagenkonzern fordern von der EU gleiche Wettbewerbsbedingungen für europäische und chinesische Autohersteller. Bei der Paris Motorshow verständigten sich die Konzerne auf ein gemeinsames Vorgehen, wie die Kleine Zeitung berichtet. Chinesische Hersteller sollen demnach in Europa produzieren und dort mit denselben Energie-, Material- und Produktionskosten arbeiten wie die europäischen Unternehmen.
Chinesische Marken setzen Europas Autoindustrie vor allem bei Hybriden unter Druck. Strafzölle hätten die Hersteller zwar eingebremst, aber nicht gestoppt. Ihre Preise lösten einen Preiskampf aus, mit denen europäische Hersteller nach Darstellung der Zeitung nicht mithalten könnten.
Gleichzeitig sind die europäischen Konzerne eng mit chinesischen Unternehmen verbunden. Stellantis hält 51 Prozent an einem Gemeinschaftsunternehmen mit Leapmotor. Künftige Opel-Modelle sollen beispielsweise auf Leapmotor-Plattformen aufbauen. Volkswagen arbeitet in China mit Xpeng, Saic, Jac und dem Batteriehersteller Gotion zusammen. Renault unterhält mehrere Gemeinschaftsunternehmen mit Geely, darunter das weltweit tätige Motorenbau- und Entwicklungszentrum Horse.
Ein offener Konflikt mit China könnte für Europas Hersteller weitere Marktanteile im größten Automarkt der Welt gefährden. Die jüngsten Rückgänge bei Volkswagen und Audi seien erheblich, heißt es in dem Bericht. Europäische Hersteller sollten für Investitionen in Design, Entwicklung, Werke und Zulieferer belohnt werden.
Volkswagenkonzern-Chef Oliver Blume habe erklärt, offene Märkte seien erwünscht, allerdings unter gleichen Marktbedingungen. Angesichts der chinesischen Subventionen müsse Frankreich gemeinsam mit Deutschland handeln. Blume, der französische Präsident Emmanuel Macron und Stellantis-Chef Antonio Filosa trafen sich demnach zu einem Abendessen im Élysée-Palast, um die EU-Verhandlungen abzustimmen.
Filosa habe die Forderungen mit der europäischen Souveränität begründet. Peugeot-Chef Alain Favey habe darauf hingewiesen, dass nicht garantiert sei, dass es in 20 Jahren noch eine Autoindustrie in der heutigen Form gebe. Es hänge auch davon ab, ob die Unternehmen ihre Produkte zu attraktiven Preisen anbieten könnten.
Die Kostenunterschiede sind erheblich. China arbeite am heimischen Markt mit Energiekosten von rund 6 Cent pro Kilowattstunde. In Europa lägen die Industriestrompreise bei mehr als 15 Cent pro Kilowattstunde. Ein zusätzlicher Cent pro Kilowattstunde mache nach der im Bericht genannten Faustregel rund 100 Millionen Euro in der Schlussrechnung aus. Staatliche chinesische Subventionen und die Kosten für Rohmaterialien verschärften den Abstand.
Als weiteren Ansatz nennt der Bericht sogenannte Supercredits. Sie sollen Hersteller für eine CO2-ärmere Produktion von Materialien in Europa und für kleine Elektroautos belohnen. Dadurch könnten Strafzahlungen beim Überschreiten der CO2-Grenzen sinken.
Die Verhandlungen über chinesische Hybride gelten zugleich als schwierig. Die geplante Begrenzung der aus China importierten Hybride auf 350.000 Stück würde nach Einschätzung der Zeitung keine Fabrik nach Europa bringen. 2024 lag der Marktanteil chinesischer Hybride bei zwei Prozent. Heute erreichen Hybride 14 Prozent und Plug-in-Hybride 25 Prozent.
Eine vom Manager Magazin bei Roland Berger beauftragte Zukunftsstudie kommt dem Bericht zufolge zu dem Ergebnis, dass die deutsche Autoindustrie bis 2031 rund 200.000 Arbeitsplätze verlieren werde. Davon wären auch Österreichs Zulieferer betroffen. Solange chinesische Hersteller keine Werke in Europa hätten und europäische Zulieferer einbezögen, schrumpfe ein ganzer Industriezweig weiter. BYD starte in Ungarn. Die aktuelle Fertigung bei Magna in Graz, bei der vereinfacht gesagt chinesische Komponenten zusammengesetzt würden, könne den Rückgang nicht ersetzen.
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