Ein Einbruch der Kurse von KI-Aktien könnte nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds die weltweiten Finanzmärkte erfassen und die globale Finanzstabilität gefährden. Der IWF nannte hohe Bewertungen von KI-Unternehmen und deren wachsende Verschuldung als Gründe für die derzeit erhöhten Risiken, wie The Guardian berichtete.
Der Fonds stufte einen möglichen Kurssturz bei KI-Aktien als eines von drei zentralen Risiken für die Finanzstabilität ein. Die beiden anderen seien steigende Finanzierungskosten für Staaten und die Gefahr eines großen Cyberangriffs. Zusammen könnten diese Faktoren kurzfristig eine deutliche Verschärfung der Finanzbedingungen und Turbulenzen an den Märkten auslösen.
Die Folgen einer Korrektur bei KI-Werten könnten global sein, warnte der IWF. Außerhalb der USA wären demnach die asiatischen Märkte am stärksten betroffen. Das Vereinigte Königreich und die Eurozone könnten weniger stark belastet werden, allerdings träfe eine Korrektur auch dortige Anleger mit Engagements in den USA.
Nach Einschätzung des Fonds seien große KI-Unternehmen eng miteinander verflochten. Zugleich werde der Ausbau des Sektors in hohem Maß über Kredite finanziert. Sollten Investitionen und Gewinne im KI-Bereich schwächer ausfallen oder weniger dauerhaft sein, könnte dies eine Neubewertung der Vermögenswerte auslösen. Steigende Verschuldung, konzentrierte Engagements und Finanzierungen innerhalb des Sektors könnten die Folgen verstärken.
Die sieben großen Technologiewerte Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla machen inzwischen mehr als 35 Prozent des US-Aktienindex S&P 500 aus. Vor zehn Jahren lag ihr Anteil bei 12 Prozent. Ihre gesamte Marktkapitalisierung sei in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 50 Prozent gestiegen.
Der IWF verwies zugleich auf wachsende Hinweise, dass der erfolgreiche Einsatz von KI möglicherweise keine Investitionen in dem Umfang erfordere, den sogenannte Hyperscaler derzeit vornähmen. Auch die möglichen wirtschaftlichen Gewinne könnten geringer ausfallen als erwartet. Zu den Hyperscalern zählen Amazon Web Services, Google, Meta und Oracle. Sie errichten die Infrastruktur für den KI-Ausbau, darunter große Rechenzentren.
Als weitere Verstärker eines möglichen Abschwungs nannte der Fonds die Schulden der Unternehmen selbst, Investitionen von Hedgefonds sowie Kredite von Kleinanlegern zur Spekulation mit KI-Aktien. Dies könne bei einem Rückgang zu Zwangsverkäufen und starken Schwankungen an den Aktienmärkten führen.
Zudem gebe es zahlreiche Finanzierungen, die stärkere KI-Unternehmen mit schwächeren Partnern im selben Sektor verbänden. Der IWF bezifferte solche Geschäfte zwischen Hyperscalern und schwächeren KI-Firmen in den vergangenen drei Jahren auf 300 Milliarden Dollar. Hinzu kämen 650 Milliarden Dollar an Schulden im Austausch für künftige finanzielle Zusagen von 1,4 Billionen Dollar.
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