In Deutschland ist die Zahl der Suizide weiter gestiegen. Im vergangenen Jahr nahmen sich 11.334 Menschen das Leben, wie tagesschau unter Berufung auf das Statistische Bundesamt berichtete.
Suizide machten 1,1 Prozent aller Sterbefälle aus. Seit 2021 steigt ihre Zahl kontinuierlich. Deren Anteil nahm in diesem Zeitraum um 17,9 Prozent zu, bei Männern um 5,8 Prozent. Insgesamt waren 69,2 Prozent der Suizidopfer Männer und 30,8 Prozent Frauen.
Auch assistierter Suizid trug nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben zum Anstieg bei. Die Organisation habe im vergangenen Jahr 1.287 Suizidbegleitungen vorgenommen, nach 1.200 im Vorjahr.
Hintergrund ist eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2020. Danach habe jeder Mensch das verfassungsmäßig geschützte Recht, sich selbst zu töten. Voraussetzung sei eine freie Entscheidung ohne Druck von außen oder aufgrund schwerer Depressionen. Das Gericht habe zugleich an die Bundesregierung appelliert, einen Rahmen für Suizidbeihilfe zu schaffen, der Freiwilligkeit garantiere und Missbrauch verhindere. Über eine Neuregelung wird im Bundestag weiterhin beraten.
Das Gesundheitsministerium hatte im August einen Referentenentwurf für ein Präventionsgesetz vorgelegt. Vorgesehen sind eine Bundesfachstelle für Suizidprävention, eine bundesweit einheitliche Krisendienst-Telefonnummer und Modellvorhaben. Länder und Kommunen sollen beim Ausbau flächendeckender Krisendienste stärker unterstützt werden.
Kritik richtet sich gegen die geplante Finanzierung der Bundesfachstelle. Der Entwurf sieht dafür 1,4 Millionen Euro vor. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz halte diesen Betrag für zu niedrig. Der Deutsche Caritasverband kritisiere außerdem, dass Vorschläge für eine dauerhafte Finanzierung der Krisenhilfe fehlten. Auch die Prävention assistierter Suizide sowie zusätzliche Plätze in Hospizen und der Palliativversorgung seien in dem Entwurf nicht berücksichtigt.
Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe gehe von schätzungsweise 500 Menschen pro Tag aus. Als erste Anlaufstelle können Betroffene Hausärzte oder Hausärztinnen aufsuchen, die an Psychologen oder Psychiater überweisen können.
Telefonische Hilfe bietet das Info-Telefon Depression unter 0800-3344533. Die Telefonseelsorge ist unter 0800-1110111, 0800-1110222 und 116123 sowie per Chat oder Mail erreichbar.
Die Stiftung Depressionshilfe rät Angehörigen und Freunden, Hinweise auf Suizidgedanken ernst zu nehmen und gezielt nachzufragen. Für gefährdete Menschen könne es entlastend sein, mit einer anderen Person über ihre Gedanken zu sprechen. Von gut gemeinten Ratschlägen sollten Angehörige nach Ansicht der Stiftung absehen; einfache Botschaften, die Verbundenheit und Unterstützung ausdrückten, seien am wirkungsvollsten.
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