Künstliche Intelligenz könnte weltweit rund 40 Prozent der Arbeitsplätze beeinflussen. In fortgeschrittenen Volkswirtschaften könnten es 60 Prozent sein, in Ländern mit niedrigem Einkommen 23 Prozent, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgieva bei den laufenden Jahrestreffen von Internationalem Währungsfonds und Weltbank in Bangkok. Darüber berichtete AllAfrica.
Georgieva bezeichnete künstliche Intelligenz als sich langsam bewegenden Tsunami für den Arbeitsmarkt. Die Technologie könne Berufe verändern, einzelne Tätigkeiten abwerten oder andere vollständig beseitigen. Die geringere Betroffenheit in ärmeren Ländern spiegle nach ihren Angaben vor allem die langsamere Einführung der Technologie wider und bedeute keinen größeren Schutz vor ihren Folgen.
Künstliche Intelligenz rege bereits Investitionen und wirtschaftliche Aktivitäten an, sagte Georgieva. Dazu gehörten der Bau von Rechenzentren und die Entwicklung von KI-Modellen. Die USA, China und Indien entwickelten sich zu wichtigen Produzenten der Technologie. Investitionen in die KI-Infrastruktur trügen dazu bei, das globale Wirtschaftswachstum trotz Störungen durch Energieversorgungsschocks bei etwa drei Prozent zu halten.
Wie groß der künftige Nutzen ausfalle, hänge wesentlich davon ab, wie gut die einzelnen Länder die Technologie einführten. Dafür brauche es zuverlässige Stromversorgung, digitale Infrastruktur, geeignete Qualifikationen und wirksame staatliche Schutzvorkehrungen. Für fortgeschrittene asiatische Volkswirtschaften könne KI das Wachstum nach IWF-Schätzungen um 0,5 bis einen Prozentpunkt erhöhen. Für aufstrebende asiatische Volkswirtschaften werde ein zusätzlicher Zuwachs von 0,2 bis 0,8 Prozentpunkten erwartet.
Eine IWF-Studie in den USA habe ergeben, dass bereits etwa zehn Prozent der Arbeitsplätze fortgeschrittene KI-Kenntnisse erforderten. Solche Stellen würden im Allgemeinen besser bezahlt. Zugleich gingen routinemäßige und repetitive Tätigkeiten zurück, während die Beschäftigung in schlechter bezahlten Bereichen wie dem Bau von Rechenzentren und damit verbundenen Dienstleistungen zunehme.
Die Studie habe in den untersuchten Bereichen zwar einen positiven Nettoeffekt auf die Beschäftigung festgestellt. Georgieva äußerte jedoch Sorge, dass ein großer Teil des Beschäftigungswachstums auf geringer bezahlte Stellen entfalle. Besonders gefährdet seien junge Menschen beim Eintritt in den Arbeitsmarkt, weil der Rückgang routinemäßiger Einstiegspositionen ihre Möglichkeiten einschränken könne, Berufserfahrung zu sammeln und beruflich aufzusteigen.
Georgieva forderte Regierungen auf, die Entwicklung am Arbeitsmarkt zu beobachten, Bildungssysteme auf lebenslanges Lernen auszurichten und die Steuerpolitik zu überprüfen. Eine stärkere Abhängigkeit vom Kapital und eine geringere Bedeutung menschlicher Arbeit könnten die Staatseinnahmen beeinflussen und die öffentlichen Mittel für die Unterstützung von Beschäftigten während des Übergangs verringern.
Sie hoffe, dass künstliche Intelligenz unerwünschte Aufgaben übernehmen könne. Dadurch könnten Menschen von höherer Produktivität, besseren Lebensbedingungen und stärkerer gesellschaftlicher Teilhabe profitieren. Nigerias Delegation bei den Jahrestreffen wird vom Finanzminister und koordinierenden Wirtschaftsminister Taiwo Oyedele geleitet. Während der Treffen sollen außerdem der Weltwirtschaftsausblick und der Bericht zur globalen Finanzstabilität des IWF veröffentlicht werden.
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