Militärische Behörden im Osten Libyens haben nach Angaben von Human Rights Watch mindestens 31 Menschen hingerichtet. Die Vollstreckungen seien zwischen Ende August und dem 10. September nach grob unfairen Militärprozessen erfolgt, berichtete Arab News. Es handle sich um die ersten in Libyen gemeldeten Hinrichtungen seit 2010.
Die Kräfte unter dem Kommando des Militärführers Khalifa Haftar und seiner Familie hätten die Todesurteile vollstreckt, erklärte die Menschenrechtsorganisation. Weitere 50 Menschen würden in einem Gefängnis rund 100 Kilometer östlich von Bengasi festgehalten und seien unmittelbar von einer Hinrichtung bedroht.
Die Verfahren seien geheim geführt worden und hätten auf Geständnissen beruht, die mutmaßlich durch Folter erzwungen worden seien, sagte Bassam Khawaja, stellvertretender Direktor der Abteilung für den Nahen Osten und Nordafrika bei Human Rights Watch. Die Gerichte, die Zivilisten verurteilt hätten, dürften nach einer Entscheidung des libyschen Obersten Gerichtshofs nicht für solche Verfahren zuständig sein.
Khawaja forderte die internationale Gemeinschaft auf, Druck auf die Militärbehörden auszuüben, damit künftige Hinrichtungen gestoppt würden. Libyen habe mehr als 15 Jahre lang keine Hinrichtung vollstreckt; die Behörden im Osten hätten dieses Moratorium innerhalb weniger Wochen beendet, sagte er.
Libyen ist seit dem Sturz und der Tötung des früheren Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 politisch instabil. Das Land ist zwischen den Haftar-Kräften im Osten und einer von den Vereinten Nationen anerkannten Regierung im Westen geteilt. Die Todesstrafe gilt in Libyen weiterhin für Mord, Terrorismus und Straftaten gegen die Staatssicherheit, war in den vergangenen Jahren aber nicht vollstreckt worden.
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