Die Rekorddürre und die Hitze des Sommers haben in Österreichs artenreichen Lebensräumen deutliche Schäden verursacht. Besonders betroffen sind die Lobau und die Regionen am Neusiedler See, die als Nationalparks geschützt sind. Wie die Salzburger Nachrichten berichteten, sieht der Ökologe Franz Essl darin ein Beispiel für Entwicklungen, die sich auf viele andere Lebensräume übertragen ließen.
Der Österreichische Biodiversitätsrat hatte deshalb bereits im August vor den Folgen der extremen Dürre und Temperaturen von mehr als 41 Grad Celsius gewarnt.
Eine systematische Auswertung der Auswirkungen auf die Artenvielfalt gebe es derzeit noch nicht, sagte Essl Anfang Oktober der APA. Niedrige Fluss- und Grundwasserstände belasteten auch viele ähnliche Flusslebensräume im Osten Österreichs.
In der Lobau komme als weiterer Faktor die fortschreitende Eintiefung der Donau hinzu, die durch die Donaukraftwerke begünstigt werde. Wo vor wenigen Jahren noch Fische geschwommen seien, gebe es inzwischen teilweise Pflanzenbewuchs. Essl sprach von einem Verlandungsschub, der sich über mehrere Jahre und besonders heuer gezeigt habe.
Auch bei einem wieder steigenden Wasserstand bliebe die Situation der Aulandschaften, Auwälder und flussbegleitenden Lebensräume verändert, erklärte der Ökologe. Dies gelte sinngemäß auch für andere Gewässer wie die March. Für Fische, Amphibien und Seeadler werde das Überleben dadurch schwieriger.
In der Lobau litten Pappeln und andere Bäume unter starkem Trockenstress und würden früh ihre Blätter abwerfen. Das Bild eines durchfluteten Auwaldes müsse angesichts der diesjährigen Bedingungen deutlich korrigiert werden, sagte Essl.
Auch der Neusiedler See nähere sich im Herbst dem niedrigsten Wasserstand aus dem Jahr 2022. Nach einer Stabilisierung in den vergangenen Jahren sinke der Pegel seit dem Frühling wieder deutlich. Die Lacken rund um den See seien großteils trocken; diese Phase dauere heuer ungewöhnlich lange an.
Beide Schutzgebiete seien stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen, betonte Essl. Zugleich prägten menschliche Eingriffe die Regionen, etwa die Verbauung der Donau und die Wasserentnahme für die Landwirtschaft rund um den Neusiedler See. Dadurch würden die negativen Folgen verstärkt.
Aus Sicht des Ökologen zeigt der Sommer erneut, dass Renaturierung notwendig sei, damit Landschaften sich an den spürbaren Klimawandel anpassen und dessen Folgen abmildern könnten. Entlang mancher Flüsse würden bereits Verbauungen entfernt, in anderen Bereichen gebe es dagegen kaum Fortschritte.
Der Zielwert von 2,5 Hektar jährlich sei weit entfernt. Zusätzlich brauche es Maßnahmen, die Wasser bei Dürren in der Landschaft hielten und bei Hochwasser in Böden und Flüsse statt in Siedlungsräume leiteten.
Der Biodiversitätsrat fordere außerdem ein nationales Monitoring von Grundwasser und Bodenfeuchte, die Berücksichtigung der derzeit beispiellosen Gletscherschmelze in künftigen Wasserbaustrategien sowie die Beibehaltung europaweiter Naturschutzstandards. Unter den unmittelbar vom Klimawandel Betroffenen sei die Einsicht in notwendige Anpassungen zuletzt deutlich gestiegen.
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