Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass die Versorgungsengpässe bei Diesel bis weit ins Jahr 2027 anhalten. Ursachen seien der Konflikt im Nahen Osten und fehlende Raffineriekapazitäten, wie n-tv berichtet. Andere Marktexperten machen die Dauer der Knappheit vor allem von den Exporten aus Russland und dem Mittleren Osten abhängig.
Der Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank teile den Zeithorizont der IEA nur unter Vorbehalt, berichtete n-tv.de. Entscheidend sei, wie lange die Ausfuhren aus Russland und dem Mittleren Osten gedrosselt blieben. Auch Cyrus de la Rubia, Chefökonom der Hamburger Commercial Bank, verwies auf beschädigte Raffinerien und darauf, dass nicht jede Anlage jede Rohölsorte effizient verarbeiten könne.
Die IEA erwarte deshalb, dass europäische Anlagen ihre Produktion drosselten.
Für 2027 rechnen Experten der US-Energieinformationsbehörde EIA mit einem Rückgang auf 4,40 Dollar je Gallone. Das wären 8,2 Prozent mehr als bislang angenommen.
Die hohen Preise treffen nach Angaben de la Rubias besonders den Transportsektor, weil Logistiker die gestiegenen Treibstoffkosten meist nicht vollständig an ihre Kunden weitergeben könnten. Auch in Landwirtschaft und Bergbau stiegen die Kosten. Zudem konkurrierten Diesel und Kerosin in Raffinerien direkt miteinander, wodurch beide Treibstoffe teurer würden.
Fritsch erwartet dadurch eine Entlastung des Marktes. Sollte die Hälfte der Menge auf Diesel entfallen, könne dies den europäischen Importbedarf von fast zwei Monaten abdecken. De la Rubia hält eine Überbrückung der kritischen Phase für möglich, warnt aber vor einem starken Preisanstieg, sobald die Knappheit zurückkehre.
Russland könne den Weltmarkt daher kaum dauerhaft mit nennenswerten Mengen versorgen.
Fritsch gehe davon aus, dass Diesel auf absehbare Zeit unverzichtbar bleibe. De la Rubia sehe erste Ansätze eines Wandels, der im Güterverkehr Zeit brauche. Der zunehmende Wechsel zu Elektrofahrzeugen entlaste den Dieselmarkt direkt und indirekt.
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