Im Raum Stuttgart und Karlsruhe haben sich nach Erkenntnissen der baden-württembergischen Gesundheitsbehörden zwei Männer mit dem West-Nil-Virus infiziert.
In Deutschland wird erst seit 2019 beobachtet, dass sich Menschen im Land mit dem Erreger anstecken. Von Januar bis Mitte Oktober registrierte das Robert-Koch-Institut 18 Infektionen. Mindestens sechs davon erfolgten innerhalb Deutschlands, ohne dass die Betroffenen zuvor im Ausland gewesen seien. Im vergangenen Jahr wurden 14 Fälle gemeldet, darunter vier heimische Übertragungen. Das RKI gehe allerdings davon aus, dass nicht alle Ansteckungen erkannt würden.
Der größte Teil der Infektionen verläuft ohne Symptome. Etwa 20 Prozent der Infizierten entwickelten Fieber und grippeähnliche Beschwerden. In etwa einem von 100 Fällen könne die Infektion schwere neurologische Folgen haben und zu tödlichen Hirn- oder Hirnhautentzündungen führen.
Europaweit meldeten die Behörden bis 7. Oktober deutlich mehr heimische Übertragungen als Deutschland. Die Europäische Seuchenschutzbehörde ECDC zählte 1715 Infektionen, 130 davon endeten tödlich. Italien war mit knapp 750 Fällen und 56 Todesfällen am stärksten betroffen. In den Niederlanden wurden 59 Fälle gemeldet, in Belgien 15.
Die Behörde warne, dadurch seien mehr Menschen einem Infektionsrisiko ausgesetzt. Gründe für die Entwicklung in diesem Jahr nenne sie nicht und verweise auf starke Schwankungen der Fallzahlen von Jahr zu Jahr.
Fachleute des European Climate and Health Observatory erwarteten langfristig einen Anstieg der Fälle infolge des Klimawandels. Die Mücken übertrügen das Virus hauptsächlich von Wildvögeln auf Menschen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch durch die Insekten werde von Experten nicht erwartet.
Auch in den kommenden Wochen müsse mit Infektionen gerechnet werden, teilte das ECDC mit. Für ältere und immungeschwächte Menschen werde bis dahin insbesondere der Schutz vor Stechmücken empfohlen. Eine Impfung und eine spezifische Behandlung gegen die Fiebererkrankung gibt es nicht.
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