Steigende Energiepreise, höhere Zinsen und die Folgen eines starken El-Niño-Ereignisses könnten Millionen Menschen in die Armut treiben. Besonders gefährdete Länder würden durch eine Folge von Krisen an ihre Belastungsgrenze gebracht, sagte UNDP-Chef Alexander de Croo der AFP, wie Arab News berichtete.
Die Treibstoffpreise seien stark gestiegen, seit die USA Ende Februar den Krieg gegen Iran begonnen hätten. Vergeltungsmaßnahmen Teherans gegen Verbündete Washingtons am Golf hätten die Versorgung mit wichtigen Öl- und Erdgasmengen eingeschränkt.
Viele Regierungen in Entwicklungsländern hätten auf den Preisanstieg mit pauschalen Subventionen reagiert, sagte de Croo. Nach den Krisen der vergangenen Jahre fehlten ihnen jedoch die Mittel, diese Unterstützung dauerhaft aufrechtzuerhalten. Die Staaten hätten nach seinen Angaben kaum Zeit gehabt, finanzielle Reserven wieder aufzubauen oder frühere Schocks zu bewältigen, bevor neue Krisen einsetzten.
Seit der globalen Finanzkrise von 2008 seien die Haushaltsdefizite und die Verschuldungsquoten im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung weltweit deutlich gestiegen. Regierungen hätten zugleich eine Reihe von Belastungen bewältigen müssen, darunter die Pandemie sowie die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten.
De Croo äußerte sich am Rande der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank in Bangkok. Der IWF habe in dieser Woche gewarnt, das globale Wachstum halte sich zwar trotz der Energiekrise, doch beruhe diese Widerstandsfähigkeit stark auf dem Boom bei Investitionen in künstliche Intelligenz. Ärmeren Ländern, die daran nicht beteiligt seien, gehe es weiterhin schlecht.
Menschen in Süd- und Ostasien sowie in Subsahara-Afrika seien besonders gefährdet.
Zugleich stiegen die weltweiten Finanzierungskosten. In den Industrieländern hätten höhere Inflationserwartungen, wachsende Schuldenquoten und die Beschaffung von Kapital für Investitionen in künstliche Intelligenz die Renditen von Staatsanleihen nach oben getrieben.
Nach Angaben des UNDP wendet ein Entwicklungsland im Median inzwischen 9,5 Prozent seiner Staatseinnahmen für Zinszahlungen auf. Das sei der höchste Wert seit einem Vierteljahrhundert und mehr als dreimal so viel wie in Ländern mit hohem Einkommen.
Der frühere belgische Premierminister kündigte an, in Bangkok für Investitionen wohlhabender Staaten und multilateraler Institutionen in Wachstum, Widerstandsfähigkeit und Arbeitsplätze in Entwicklungsländern zu werben. Auch die jüngsten deutlichen Kürzungen der internationalen Hilfe belasteten diese Länder.
Das UNDP warnte zudem vor weiteren Folgen des diesjährigen El Niño. Das Klimaphänomen könnte demnach so stark werden wie kein zuvor erfasstes Ereignis. Überschwemmungen, Dürren und andere Extremereignisse dürften demnach Anfang 2027 ihren Höhepunkt erreichen. De Croo forderte außerdem mehr privates Kapital zur Bekämpfung der schwersten Folgen des Klimawandels.
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