Die Zahl ziviler Opfer in der Ukraine bleibt auf Rekordniveau. Die Menschenrechtsbeobachter der Vereinten Nationen in der Ukraine teilten am Freitag mit, dass die verstärkten russischen Angriffe im September ein Muster fortsetzten, das im Jahr 2026 weit über den Werten früherer Jahre liege, wie UN News berichtet.
Die Mission verifizierte mindestens 328 getötete und 2.105 verletzte Zivilisten im September. Das waren 85 Prozent mehr als im September 2025. Die Opfer wurden in 22 Regionen und in der Stadt Kiew registriert. An 22 der 30 Tage des Monats wurden dort Zivilisten getötet oder verletzt, häufiger als in jedem Monat seit Beginn der russischen Vollinvasion.
Der Trend setzte sich im Oktober fort. Allein in der Nacht zum 7. Oktober töteten ein russischer Marschflugkörper und eine Drohne in Pryluky in der Region Tschernihiw 22 Zivilisten und verletzten 45 weitere.
Danielle Bell, Leiterin der Menschenrechtsbeobachtungsmission, sagte: "Die ersten zwei Wochen im Oktober gehörten zu den tödlichsten Zeiträumen für Zivilisten seit Jahren."
Die hohen Opferzahlen fielen zeitlich zusammen mit der Wiederaufnahme systematischer russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur. Am 13. und 14. Oktober trafen Schläge mehrere Energieanlagen, darunter drei Hauptkraftwerke in Kiew. Nach Angaben ukrainischer Behörden waren dadurch zeitweise 600.000 Menschen in der Hauptstadt ohne Strom.
Auch die ukrainischen Streitkräfte griffen nach Angaben der Mission Strom- und Wärmeinfrastruktur in besetzten Gebieten und in der Russischen Föderation an.
Bell warnte: "Die systematische Angriffe auf Strom- und Wärmeinfrastruktur, während der Winter naht, werden der Zivilbevölkerung zwangsläufig erhebliches Leid zufügen."
Die Internationale Organisation für Migration (IOM) warnte, dass beschädigte Wohnungen und Angriffe auf die Energieversorgung Ukrainer, die in ihre Heimat zurückgekehrt sind, in diesem Winter erneut zur Flucht zwingen könnten.
Arthur Erken, Regionaldirektor der IOM für Europa und Zentralasien, sagte: "Für Millionen Ukrainer ist die Frage nicht mehr nur, ob sie zurückkehren können. Es ist die Frage, ob sie dort sicher bleiben können, und im Moment machen die Bedingungen das schwierig." Rund 1,45 Millionen Rückkehrer lebten in frontnahen Bezirken. In der vergangenen Kälteperiode konnten nur 32 Prozent der Haushalte ihre Wohnungen ausreichend beheizen. Etwa 2,1 Millionen ältere Menschen leben allein in Wohnblocks und sind damit besonders anfällig für längere Strom- und Heizungsausfälle.
Erken erklärte außerdem, dass weniger als sieben Prozent des Krisenreaktionsplans der IOM für die Ukraine in diesem Jahr finanziert seien. Er forderte dringende Unterstützung für Reparaturen an Wohnungen, bessere Dämmung und den Erhalt grundlegender Dienste.
Auf dem Gelände des Kernkraftwerks Saporischschja begann am Donnerstag die achte lokal begrenzte Waffenruhe, die von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) zwischen der Ukraine und Russland vermittelt wurde. Sie soll Reparaturen an einem beschädigten Reserve-Transformator ermöglichen, der die Verbindung zur einzigen verbliebenen externen Stromleitung stärkt.
IAEO-Generaldirektor Rafael Mariano Grossi begrüßte die Zusammenarbeit beider Seiten. Er warnte jedoch, dass der Dieselvorrat der Anlage zur Neige gehe, seit März seien keine Lieferungen eingetroffen. Es sei unerlässlich, die Menge des vor Ort verfügbaren Diesels vor dem Winter zu erhöhen, wenn sich die Lage zuspitzen könne. Grossi bekräftigte zudem seinen Appell an alle Seiten, größte militärische Zurückhaltung zu üben.
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