Mehr als ein Viertel der Menschheit hat nicht genug zu essen, obwohl die Welt genug für alle produziert. Das sagte UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk zu Wochenbeginn, wie UN News berichtet. Er führt den Hunger in einer Welt des Überflusses auf Ungerechtigkeit und die Verweigerung von Menschenrechten zurück.
Türk sprach vor dem Komitee für Welternährungssicherheit der Vereinten Nationen, das in Rom tagt. Das Recht auf Nahrung sei zwar in Verträgen und Gesetzen verankert, erreiche aber für zu viele Menschen noch nicht ihren Teller. Die weltweite Nahrungsversorgung liege inzwischen bei mehr als 3.000 Kalorien pro Person und Tag, ein historischer Höchstwert. Dennoch halte die Verringerung des Hungers damit nicht Schritt.
Ein großer Teil dieses Überflusses werde von Ungerechtigkeit und Verletzungen der Menschenrechte verschluckt, sagte Türk. Allein Haushalte werfen nach seinen Worten täglich mehr als eine Milliarde Mahlzeiten weg. Ein Prozent der Höfe weltweit bewirtschafte mehr als 70 Prozent der globalen Ackerfläche. Frauen in der Landwirtschaft und indigene Völker erhielten oft keine staatliche Unterstützung und keinen Zugang zu Land.
Konflikte treiben nach Türks Angaben akuten Hunger in 12 der 13 aktuellen Hungerhotspots an. Einschränkungen der humanitären Hilfe und Angriffe auf Helfer würden die letzten Versorgungswege abschneiden. Dazu gehörten gleichberechtigter Zugang zu Land, Wasser und Saatgut sowie wirksamer Klimaschutz.
Die Kriegsregeln müssten eingehalten werden, sagte Türk. Man müsse alles daransetzen, dass Hunger niemals als Methode der Kriegsführung eingesetzt werde.
Sofía Monsalve Suárez, UN-Sonderberichterstatterin für das Recht auf Nahrung, sprach erstmals als unabhängige Expertin vor dem Komitee. Am meisten besorge sie das rasante Ansteigen von Hungersnöten und der Einsatz von Aushungern als Kriegswaffe. Chronischer Hunger sei 2025 zurückgegangen, akuter Hunger steige seit 2016 stetig an.
Derzeit seien 1,4 Millionen Menschen in sechs Ländern von katastrophalen Bedingungen betroffen, neunmal so viele wie 2016. 266 Millionen Menschen litten täglich unter akutem Hunger, unter anderem im Sudan, im Südsudan, in der Demokratischen Republik Kongo, im Jemen und im Gazastreifen. Die Rückkehr von Hungersnöten und der gezielte Einsatz von Aushungern seien eine beispiellose moralische Herausforderung für ihre Generation. Diese Verbrechen blieben straflos, so Monsalve Suárez.
Sie forderte einen stärkeren Rahmen für Rechenschaftspflicht und Prävention. Zudem brauche es eine bessere Abstimmung zwischen Sicherheitsrat, Komitee, Menschenrechtssystem und Ernährungsmonitoring, um Frühwarnungen zu verbessern.
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