Arbeitsmarktexperte Rafael Lalive sagte gegenüber 20 Minuten, warum der Berufseinstieg schwieriger geworden sei.
Nach der Corona-Pandemie hätten viele Unternehmen dringend Personal gesucht. Das treffe besonders junge Menschen mit wenig Berufserfahrung, die beim Einstieg mehr Kompromisse eingehen müssten. Arbeitgeber wählten nun aus, nicht mehr umgekehrt.
Der Fachkräftemangel sei nicht überall vorbei. Es fehle weiterhin Personal, der Mangel konzentriere sich aber stärker auf bestimmte Bereiche, etwa das Gesundheitswesen.
Praktika könnten den Einstieg erleichtern, weil sie Erfahrung vermittelten und Kontakte schüfen. Problematisch werde es, wenn Unternehmen reguläre Einstiegsstellen durch Praktika ersetzten. Wenn sich viele Bewerber auf wenige Stellen bewürben, gerieten auch die Löhne unter Druck.
Künstliche Intelligenz verändere die Nachfrage nach bestimmten Tätigkeiten. Gleichzeitig entstünden durch neue Technologien neue Aufgaben. Welcher Effekt überwiegen werde, sei noch nicht absehbar.
Ein Hochschulabschluss sei nie eine Garantie für eine gute Stelle gewesen, bleibe im Durchschnitt aber eine wertvolle Investition. Auch ein Masterabschluss schütze nicht davor, dass bestimmte Qualifikationen weniger gefragt seien.
Die Universitäten müssten die Entwicklungen ernst nehmen und reagieren, wenn Absolventen bestimmter Studienrichtungen Schwierigkeiten beim Einstieg hätten. Sie dürften sich aber nicht nur an kurzfristigen Bedürfnissen der Unternehmen orientieren, da ein Studium auf ein Berufsleben von mehreren Jahrzehnten vorbereite. Fundierte Fachkenntnisse und übertragbare Kompetenzen seien daher mindestens so wichtig wie unmittelbar anwendbares Wissen.
Ein generelles Überangebot an Akademikern sei derzeit nicht absehbar, die Schweizer Wirtschaft werde auch künftig gut ausgebildete Fachkräfte benötigen. In einzelnen Studienrichtungen und Berufen könne es aber zu einem dauerhaften Ungleichgewicht kommen.
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