Nach Recherchen des Senders CBC News sollen zwölf politisch motivierte Auftragsschüsse in Toronto von der iranischen Regierung finanziert worden sein. Die Angriffe richteten sich gegen Synagogen, eine Schule, Geschäfte im Großraum Toronto und das US-Konsulat in der Innenstadt. Verletzt wurde niemand.
Viele der Schüsse fielen in den Stunden und Tagen, nachdem die USA und Israel am 28. Februar begonnen hatten, Iran zu bombardieren, und dabei den Obersten Führer des Landes, Ayatollah Ali Khamenei, getötet hatten. Die Tatmuster ähnelten sich: Frühmorgens fuhren die Täter mit gestohlenen Autos vor, leerten Handfeuerwaffen auf Hauseingänge und filmten die Tat mit einem Telefon, selbst oder über Komplizen.
Toronto Police, RCMP und CSIS untersuchen, ob eine ausländische Macht die politisch motivierten Angriffe in Auftrag gegeben hat. Einige der mutmaßlichen Schützen wurden festgenommen und angeklagt. Herauszufinden, wer sie bezahlt hat, erwies sich jedoch als schwieriger. Das Modell der Auftragsschießereien, bei dem Taten über verschlüsselte Apps und Vermittler arrangiert werden, schafft mehrere Ebenen zwischen Auftraggeber und Täter.
Chief Superintendent Joe Matthews, der die Ermittlungen des Toronto Police Service leitet, sagte, man habe Hinweise erhalten, dass ausländische Akteure beteiligt sein könnten. Man untersuche jeden Ansatz. Eine Bestätigung oder Verneinung dieses Aspekts lehnte er ab. Er gehe jedoch nicht davon aus, dass es eine sehr direkte Verbindung zwischen dem Geldgeber und dem Täter auf der Straße gebe.
CBC News recherchierte wochenlang zu einer Reihe von Schüssen in Toronto, werteten Gerichtsakten aus, in denen Festnahmen erfolgt sind, und erstellte Profile der Beschuldigten. Die meisten Verdächtigen müssen sich für mehrere Angriffe verantworten. Viele sind jung, zwischen 15 und Anfang 20.
Ein Muster zeichnete sich ab: Schüsse konzentrierten sich in denselben Vierteln in derselben Nacht, sowohl auf politische als auch auf nicht politische Ziele. In mehreren Vorfällen wurden Synagogen und jüdische Geschäfte kurz vor oder nach Angriffen auf Geschäfts- und Wohnadressen des Abfallentsorgungskonzerns Green For Life (GFL) getroffen. Laut Toronto Police bestätigen ballistische Tests diese Verbindung. Matthews sagte CBC News, Schusswaffen, die bei mehreren Schießereien verwendet worden seien, seien nicht nur auf geopolitische Ziele gerichtet, sondern überschnitten sich mit GFL. CBC News zufolge deutet alles darauf hin, dass dieselben Auftragsschützen beide Arten von Angriffen verübt haben.
In den vergangenen Jahren seien die iranische Regierung und ihr Geheimdienst mit Anschlagsplänen und Angriffen in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien, Australien und den USA in Verbindung gebracht worden. Im vergangenen Mai nahm das FBI Mohammad Baqer al-Saadi fest, den es nach eigenen Angaben als hochrangiges Mitglied der Miliz Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya (HAYI) betrachtet, die von den Revolutionsgarden kontrolliert werde. Ihm werden sechs terrorismusbezogene Anklagepunkte zur Last gelegt.
Im Juni hatte Kanada gemeinsam mit 20 anderen Staaten eine Erklärung abgegeben, in der die tödlichen Anschlagspläne und anderen bösartigen Aktivitäten Irans in Europa, Nordamerika und Australien verurteilt wurden. Die Beziehung zwischen iranischen Sicherheitsdiensten und internationalen wie lokalen kriminellen Gruppen sei langjährig, heißt es darin; deren Einsatz sei verwerflich. Zuletzt gab es Vorwürfe auch in Großbritannien, nachdem ein vereitelter Anschlagsplan auf eine Stützpunkt der Royal Air Force in England bekannt geworden war.
Nach Einschätzung von Keir Giles, einem Sicherheitsanalysten am Chatham House, einem unabhängigen Politikinstitut in London, folgen die iranisch verbundenen Angriffe demselben Muster, das Russland seit seinem Einmarsch in die Ukraine nutze, um Europa zu destabilisieren. Russland habe diese Methode weiter und schneller vorangetrieben, sagte Giles. Sobald eine Methode erprobt sei, würden andere sie übernehmen. Das Internet und verschlüsselte Kommunikations-Apps hätten Auftragsgewalt zusätzlich befeuert. Es sei schon immer möglich gewesen, Menschen anzuwerben, die willig, unwillig oder ahnungslos Angriffe ausführten. Inzwischen sei es jedoch weit einfacher geworden, Netzwerke auszuweiten und Rekruten mit sehr geringem Aufwand zu erreichen.
CBC News bat das iranische Außenministerium um eine Stellungnahme zur mutmaßlichen Beteiligung Teherans an den Anschlägen in Toronto, erhielt jedoch keine Antwort. Die iranische Regierung hat frühere Vorwürfe, sie unterstütze Gewalt weltweit, zurückgewiesen.
Die Synagoge Beth Avraham Yoseph of Toronto (BAYT) gehörte zu den Zielen. Anfang März 2026 wurden ihre Eingangstüren und Fenster an einem Freitagabend spätabends mit Schüssen durchsiebt. Rabbiner Daniel K. sagte, nach dem Angriff herrschten Wut und Frustration in der Gemeinde, doch sie lasse sich nicht einschüchtern. Viele Akteure stellten Israel und Juden als Paria dar, daran sei man gewöhnt. Die Gemeinde werde sich nicht davon abhalten lassen, jüdisch zu leben und in die Synagoge zu kommen.
Dem Rabbiner ist bewusst, dass der Angriff von jemandem angeordnet und bezahlt worden sein könnte, der Tausende Kilometer entfernt lebt. Für ihn spiele das kaum eine Rolle. Das Ergebnis sei dasselbe. Man wolle, dass es aufhört, und müsse herausfinden, wie man es künftig kontrollieren könne.
Es gilt die Unschuldsvermutung.
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