Die Arbeitgeberseite der Metall- und Elektroindustrie hat in der zweiten Verhandlungsrunde ein erstes Angebot vorgelegt. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, will der Arbeitgeberverband Gesamtmetall den Beschäftigten 1,3 Prozent mehr Geld zahlen. Hinzu kommt eine Einmalzahlung in Höhe von 1 Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttogehalts, die im Juli 2027 fällig werden soll.
Der Verband wertet dies als eindeutiges Zeichen seiner Geschlossenheit.
Zudem wollen die Arbeitgeber auf Ebene der Betriebe ein neues Instrument einführen. Für Verhandlungen darüber wären dann die Betriebsräte statt der Gewerkschaft zuständig. Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter begründete den Vorstoß damit, dass die fortschreitende Deindustrialisierung und der inzwischen dramatische Verlust von Arbeitsplätzen gestoppt werden müssten.
Die Arbeitgeber knüpften ihr Angebot an weitere Bedingungen. Dazu zählen Gespräche über Maßnahmen gegen hohe Krankenstände und eine beschleunigte Einführung Künstlicher Intelligenz. Außerdem soll ein automatisches Abweichen von Tarifstandards nach unten für Unternehmen in der Krise ausgeweitet werden. Begründet wird dies mit der aus Sicht der Arbeitgeber schwersten Krise der Branche seit Gründung der Bundesrepublik.
Gewerkschafter Gröger sagte, was bisher als Notausgang für Betriebe in Schwierigkeiten möglich sei, wollten die Arbeitgeber zum Hauptzugang machen. Damit werde der Flächentarifvertrag von innen ausgehöhlt. Gesamtmetall erklärte, beide Seiten sähen die wirtschaftliche Lage der Branche als kritisch.
Die IG Metall lehnt das erste Angebot ab. Ihr Verhandlungsführer in Nordrhein-Westfalen, Knut Giesler, sprach laut einer Mitteilung von faktisch einer Minusrunde. Das Angebot setze zu spät ein, sei zu niedrig, die Laufzeit zu lang, und es enthalte wenig Zukunft. Die Gewerkschaft fordert ihrerseits fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.
Giesler kritisierte auch das betriebliche Instrument.
2022 hatte sie anfangs acht Prozent mehr Geld verlangt, 2024 sieben Prozent.
Die Gewerkschaft möchte, dass erfolgreiche Betriebe tarifliche Gehaltsaufschläge zahlen. Darauf seien die Arbeitgeber in der Verhandlungsrunde nicht eingegangen.
Der bayerische IG-Metall-Chef Horst Ott warf den Arbeitgebern vor, nur über Kosten und Krankenstände zu reden statt über Zukunft, Investitionen und Beschäftigungsperspektiven. Erst wenn die Arbeitgeber selbst Beiträge leisteten, könne die Tarifrunde vorankommen, betonte Ott. Er kündigte an, die Warnstreik-Vorbereitungen nun scharfzuschalten.
Die Friedenspflicht endet am 31. Oktober. Ab Sonntag sind damit Warnstreiks möglich.
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