Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit hält von ihrem Beitrag an MSF Schweiz 1,25 Millionen Franken zurück. Wie SRF berichtet, begründet die Deza diesen Schritt damit, dass die Hilfsorganisation die Bundesstelle ungenügend über sexuelle Missbrauchsfälle im Tschad informiert habe. In diesem Jahr unterstützt die Deza MSF Schweiz mit insgesamt 6,25 Millionen Franken.
In der Folge wurden 18 Mitarbeitende entlassen.
Auch andere Organisationen sind betroffen. NGO-Mitarbeiter sollen auf Haiti Frauen sexuell missbraucht haben. MSF spricht bei jedem Missbrauchsfall von einem Fall zu viel und verfolgt nach eigenen Angaben eine Nulltoleranz. Verhindern lasse sich Missbrauch aber nicht vollständig.
Die Deza verlangte nach den Vorfällen im Tschad zusätzliche Informationen und Berichte. Diese seien bereits geliefert worden, bestätigte MSF-Generaldirektorin Sarah Epprecht. Die Deza erklärte, die Prüfung sei noch im Gang. Sie behalte sich zudem weiterhin eine externe Untersuchung vor.
MSF veröffentlicht außerdem Zahlen zu 2025. Die Zahl der Beschwerden zu Projekten stieg im Vergleich zu 2024 um 18 Prozent, damals waren es 864. Epprecht erklärte, jede Form von Missbrauch oder Fehlverhalten sei inakzeptabel. Die Mitarbeitenden müssten die Verhaltensrichtlinien von MSF vollumfänglich respektieren. Zudem verbessere MSF beständig seine Präventionsmechanismen.
Der Reputationsexperte Hans-Jakob Boesch sagt, ein Schaden für MSF sei in diesem Fall unbestritten. Hilfsorganisationen wollten hohen ethischen und moralischen Ansprüchen genügen, deshalb wiegen solche Fälle schwer. Entscheidend sei die Reaktion. Volle Transparenz, eine umfassende Aufarbeitung und Massnahmen gegen künftige Missbräuche könnten helfen, Vertrauen wiederherzustellen.
Der Fall MSF habe jedoch gezeigt, dass diese Bestimmungen angepasst werden müssten, sagte ein Sprecher der Deza. Ab 2027 sollen sie umgesetzt werden.
Direkt betroffen ist die Glückskette nach Angaben ihres Mediensprechers Christian Engeli nicht. Sie habe keine Projekte von MSF im Tschad, sei aber von MSF über die Vorfälle informiert worden. Die Glückskette überwies 2025 Beiträge an Projekte von MSF in Höhe von 2’681’455 Franken. Sie spende nur an Projekte und Organisationen, die sie geprüft habe, und spreche die Hilfswerke auch auf mögliche Missbräuche an. Eine Organisation sofort auszuschliessen, wenn ein solcher Fall auftrete, wäre laut Engeli falsch. Sorgen bereitet der Glückskette, dass solche Vorfälle die Spendenbereitschaft beeinträchtigen könnten.
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