Die tatsächliche Klimabilanz liege allerdings noch höher, berichtete der ORF unter Berufung auf die globalisierungskritische NGO ATTAC, die am Montag (2. November) eine Presseaussendung verschickte.
Produktionsbasierte Emissionen erfassen alle Treibhausgase, die innerhalb eines geografischen Gebiets durch Produktion, Landwirtschaft, Verkehr und Haushalte direkt anfallen.
Konsumbasierte Emissionen berücksichtigen dagegen Importe und Exporte. Treibhausgase, die im Inland für Konsum im Ausland entstehen, werden abgezogen.
Österreich ist im Rahmen der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen regelmäßig zu erfassen und zu veröffentlichen. Die rechtlichen Vorgaben sehen dafür die produktionsbasierten Emissionen vor. Deshalb enthält die offizielle Klimabilanz keine konsumbasierten Emissionen.
Der größte Anteil der importierten Treibhausgase geht auf die Energieerzeugung zurück. 15,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, etwa ein Viertel der importierten Emissionen, entfielen auf den Energiesektor.
Österreich sei dabei keine Ausnahme. Bei kleinen, offenen Volkswirtschaften sei das Potenzial für den Import emissionsintensiver Güter grundsätzlich höher. In Österreich enthielten die Importe deutlich mehr Emissionen, als mit den Exporten emissionsintensiver Güter ausgeführt werden.
Bewusst lagere Österreich seine Emissionen nach Ansicht Steiningers nicht aus. Es gebe im Fall Österreichs bisher keine aktive Politik, die diese Emissionen verlagere. Die Wirtschaftsstruktur bedinge derzeit den Import emissionsintensiver Güter. Fossile Energie werde von außen bezogen, weil im Inland zu wenig davon vorhanden sei. Textilien würden importiert, deren Produktion wegen der Arbeitskostenunterschiede ausgelagert worden sei, nicht wegen der Klimapolitik.
Welche der beiden Berechnungsmethoden die korrektere sei, lasse sich nach Steiningers Worten nicht sagen. Wichtig sei, beide Arten der Emissionen im Blick zu behalten, weil beide gestaltet werden könnten. Über Vorgaben an die Produktionsweise lassen sich die produktionsbasierten Emissionen beeinflussen.
Der Effekt des Grenzausgleichssystems lasse sich derzeit noch schwer beziffern, sagte Steininger. Der Kauf der notwendigen Zertifikate werde stufenweise ausgeweitet. Ab 1.
Klimapolitik kann die Emissionsbilanz nach Angaben Steiningers nicht nur auf Bundesebene beeinflussen, etwa über die Steuergesetzgebung. Auch Länder und Gemeinden können über Bau- und Raumordnung Emissionen steuern.
Angesichts der unterschiedlichen Zahlen fordert ATTAC, importierte Emissionen in die Klimaziele einzubeziehen und zu reduzieren.
Die NGO kritisiert außerdem die zahlreichen EU-Handelsabkommen, die importierte Emissionen weiter erhöhen würden. Zudem müsse die regionale Wirtschaft gestärkt werden.
Ein Klimaneutralitätsziel, das importierte Emissionen miteinberechnet, wäre nach Steiningers Einschätzung ambitionierter und daher schwieriger zu erreichen.
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