Drohnenangriffe, bei denen im Oktober mindestens 30 Menschen in Abyei getötet wurden, haben der Sicherheitslage im umstrittenen Gebiet nach Einschätzung des UN-Friedenseinsatzchefs Jean-Pierre Lacroix eine neue und beunruhigende Dimension verliehen. Lacroix berichtete am Donnerstag vor dem UN-Sicherheitsrat, wie UN News meldet.
Die Angriffe vom 19. Oktober seien die ersten ihrer Art in Abyei gewesen. Sie hätten große Brände ausgelöst, etwa 59 Menschen verletzt und Dutzende Zivilisten aus ihren Häusern vertrieben. Friedenstruppen prüften derzeit, ob die Zahl der Todesopfer zu niedrig angesetzt sei.
Vorausgegangen war am 15. September Gewalt in und um den Handelsplatz Amiet Common Market. Dabei kamen Angehörige der Ngok Dinka, der Misseriya und der Nuba aufeinander. Nach Angaben der UN starben 124 Menschen, 40 wurden verletzt.
Lacroix sagte, die Bedrohungen für die Stabilität in Abyei entwickelten sich weiter. Sie gingen über traditionelle zwischengemeinschaftliche Konflikte hinaus und würden zunehmend von umfassenderen politischen und wirtschaftlichen Konflikten in der Region beeinflusst. Amiet sei inzwischen weit mehr als ein Handelsplatz. Der Ort sei das wichtigste wirtschaftliche Zentrum Abyeis und ein Transitpunkt für mehr als 49.000 Flüchtlinge und Rückkehrer, die vor dem Krieg im Sudan geflohen sind. Diese Konzentration von Handel und Menschen öffne kriminellen Netzwerken und bewaffneten Gruppen die Tür, warnte Lacroix.
Zugleich verwies er auf Fortschritte. Die registrierten Sicherheitsvorfälle seien im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres um etwa 32 Prozent zurückgegangen. Die diesjährige saisonale Wanderung der Viehherden sei ohne einen einzigen damit zusammenhängenden Todesfall verlaufen.
Sudan und Südsudan hatten im August über ihren gemeinsamen politischen und sicherheitspolitischen Mechanismus wieder förmliche Gespräche aufgenommen, erstmals seit Januar 2023. Ein zweites Treffen ist vom 8. bis 10. November in Khartum geplant. Das Gebiet könnte dadurch weiter in den Konflikt im Sudan hineingezogen werden.
Der Sicherheitsrat berät derzeit über das künftige Mandat der UN-Friedenstruppe UNISFA. Lacroix erklärte, die Voraussetzungen für eine grundlegende Änderung des Missionsaufbaus existierten noch nicht. Er forderte einen besseren Schutz der Friedenstruppen vor Bedrohungen aus der Luft und betonte, UNISFA brauche die Unterstützung des Rats mehr denn je.
Guang Cong, der Sondergesandte des Generalsekretärs für das Horn von Afrika, bezeichnete die Drohnenangriffe im Oktober als einen der tödlichsten Vorfälle in der Geschichte Abyeis. Er drängte auf eine rasche und unabhängige Untersuchung und forderte beide Regierungen auf, den entmilitarisierten Status des Gebiets zu wahren.
Im Sudan warnte die Humanitäre Koordinatorin Denise Brown erneut, dass Drohnen Kraftwerke und Treibstofflager träfen. Wo Treibstoff knapp sei, werde lebensrettende Hilfsarbeit massiv beeinträchtigt. Nach lokalen Quellen sollen Drohnen eine Umspannstation und den Ar-Rusayris-Staudamm in Ed Damazine getroffen und großflächige Stromausfälle verursacht haben. Ein weiterer Angriff auf ein Wohngebiet habe zwei Zivilisten getötet. In Um Bader hätten Luftangriffe zwei Frauen getötet, zehn Menschen verletzt und zwei Wasserstationen schwer beschädigt.
Trotz dieser Lage erreicht Hilfe die Menschen. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF hat Malariabehandlungen an 765 Gesundheitseinrichtungen in Darfur und Westkordofan geliefert, genug für 800.000 Menschen. Der humanitäre Appell für den Sudan über 2,9 Milliarden Dollar ist jedoch zum Jahresende weniger als zur Hälfte finanziert.
An der Grenze zwischen Sudan und Südsudan warnte die Internationale Organisation für Migration (IOM), dass etwa 100.000 Menschen ihre medizinische Versorgung verlieren könnten, falls die einzige Klinik am Grenzübergang Wunthou schließen müsse. Ohne dringende Finanzierung könnte sie bis Dezember schließen. Die Klinik habe mehr als 400.000 Behandlungen durchgeführt, mehr als 260.000 Impfungen verabreicht und bei mehr als 1.000 Geburten geholfen. Wöchentlich betreue sie noch immer mehr als 1.000 ambulante Patienten.
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