Viele Anleger in Deutschland bangen um ihr Erspartes, weil offene Immobilienfonds in die Krise geraten sind. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, können solche Fonds schließen, sodass Anleger jahrelang nicht an ihr Geld kommen.
Felix, ein Informatikstudent aus dem Rhein-Main-Gebiet, sah am 26. Juni 2024 in seiner Banking-App erstmals einen deutlichen Verlust. Das Geld könne er einfach liegen lassen, hatte es geheißen, eine absolut sichere Sache. Bei dem Fonds Uni Immo Wohnen ZBI tat sich lange kaum etwas. Insgesamt gingen dabei 800 Millionen Euro verloren, auf Felix entfielen davon 6000 Euro.
Ähnliche Geschichten erzählen nach Angaben der Zeitung auch andere Anleger. Eine weitere Frau habe einen sechsstelligen Betrag angelegt, den sie für das Pflegeheim ihrer Mutter gebraucht hätte. Sie habe der Beraterin der Volksbank vertraut.
Nach Einschätzung der Süddeutschen Zeitung wussten die Banken vermutlich, was sie taten. Immobilienpreise könnten stark fallen, und offene Fonds könnten einfach schließen.
Die Krise hat sich nach Darstellung der Zeitung seit steigenden Leitzinsen ab 2022 entwickelt, die den jahrelangen Immobilienboom abwürgten. Anfang dieses Jahres schlossen die ersten kleinen Fonds und setzten die Rücknahme aus. Vor wenigen Wochen machte mit dem Grundbesitz Europa der DWS erstmals ein sehr großer Fonds fast vollständig dicht. Die Deutsche-Bank-Tochter bezeichnete dies als bedauerliche, aber notwendige Maßnahme zum Schutz der Anleger.
Offene Immobilienfonds sind nach Angaben der Zeitung kein Nischenprodukt. Mehrere Millionen Anleger haben in Deutschland insgesamt gut 100 Milliarden Euro in diese Fonds angelegt.
Die Immobilien lassen sich aber oft nicht schnell verkaufen. Reicht auch das nicht mehr, wird geschlossen und keine Anteile mehr zurückgenommen.
Ermöglicht habe dies eine EU-Vorgabe zur Risikoberechnung. Da Gutachter die Immobilien nur alle paar Monate bewerten, schwanken die Werte kaum. Dass die Fonds schließen können, stehe zwar im Kleingedruckten, sei aber nicht in den Indikator eingeflossen.
Der Fachanwalt Christopher Kress vertritt nach eigenen Angaben rund 500 Anleger, die Schadenersatz verlangen.
Das Problem ist nicht neu. Die Anleger verloren damals insgesamt 8,3 Milliarden Euro, weil die Immobilien dauerhaft an Wert verloren.
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