Briten sollen für Reisen in EU-Länder derzeit keinen Antrag auf die elektronische Einreisegenehmigung Etias stellen. Mehr als 150 Webseiten bieten den Service bereits an, obwohl das System noch nicht eingeführt ist, wie The Guardian berichtete.
Nicht-EU-Bürger aus visumfreien Ländern, darunter Reisende aus Großbritannien, den USA, Australien und Kanada, sollen künftig für die Einreise in den Schengen-Raum 20 Euro zahlen. Die Einführung von Etias war zunächst nach dem Start des EU-Einreise- und Ausreisesystems EES vorgesehen. Beide Systeme wurden jedoch wiederholt verschoben. Probleme nach dem Start von EES, unter anderem mit der Software an französischen Grenzübergängen, haben dazu geführt, dass Etias weiterhin ausgesetzt ist.
Luke Petherbridge, Direktor für öffentliche Angelegenheiten beim Reiseverband Abta, sagte, Etias sei ursprünglich für dieses Jahr geplant gewesen, liege nun aber wieder auf Eis. Abta vertrete die Auffassung, dass das System erst eingeführt werden solle, wenn EES vollständig funktioniere. Europäische Behörden gingen davon aus, dass bereits mehr als 150 Webseiten Etias-Anträge anböten. Es gebe jedoch nur eine offizielle Seite, über die Anträge gestellt werden sollten, sobald das System freigeschaltet sei.
Nach einer Untersuchung von Abta sei das Bewusstsein für die bevorstehenden Grenzanforderungen gestiegen. 2024 hätten 41 Prozent davon gewusst, inzwischen seien es 56 Prozent. Die Antragsgebühr sei von sieben auf 20 Euro erhöht worden. Menschen über 70 und unter 18 Jahren müssten nicht zahlen. Ein Starttermin wurde nicht festgelegt.
Kommerzielle Anbieter dürften Anträge zwar rechtmäßig im Auftrag von Kunden stellen. Nach Angaben von Frontex reichten die Risiken durch Dritte jedoch von Datenschutzproblemen und Identitätsdiebstahl bis zu überhöhten Gebühren. Einige inoffizielle Seiten hätten zudem falsche Angaben dazu gemacht, wer Etias benötige, und das Design der offiziellen Webseite sowie überzeugende Internetadressen nachgeahmt.
Petherbridge sagte, Nutzer solcher Seiten verlören möglicherweise Geld und setzten zugleich ihre persönlichen Daten aufs Spiel. Niemand solle jetzt einen Etias-Antrag stellen.
EES ist inzwischen vollständig in Betrieb. Grenzbehörden seien jedoch angewiesen worden, keine Strafen durchzusetzen, wenn sie das System an Grenzübergängen wegen zu langer Warteschlangen weiterhin aussetzten. Nach Erhebungen von Abta berichteten 46 Prozent der Besucher Europas, vollständig kontrolliert worden zu sein. Die Hälfte von ihnen habe weniger als 30 Minuten gewartet, 13 Prozent hätten eine Stunde in der Schlange gestanden.
Kommentare (0)