An der Zugspitze ist der Permafrost im Gestein infolge der Erwärmung bis in knapp 14 Meter Tiefe geschmolzen. Der Geologe Michael Krautblatter von der Technischen Universität München erwartet deshalb weitere Felsstürze in den Alpen. Die zunehmenden Gefahren betreffen nach seinen Angaben auch die Menschen in den Tälern, berichtete die Süddeutsche Zeitung.
Vor drei Wochen waren auf rund 2800 Metern Höhe etwa 13 800 Kubikmeter Fels von der Zugspitze abgegangen. Erste Schätzungen von Tiroler Seite hatten eine geringere Menge ergeben. Krautblatter vermass die Abbruchstelle mit einer Drohne und untersuchte die Temperatur des Gesteins mit einer Wärmebildkamera.
Die Stelle liege genau auf der Höhe, auf der das Eis im Permafrost zu schmelzen beginne, sagte Krautblatter. Im zerklüfteten Kalk fehle dann der stabilisierende Zusammenhalt des Eises. Im Stollen unter dem Bergkamm und an der Felswand habe die Temperatur derzeit etwa minus 0,7 Grad betragen.
Das Eis sei dort so tief geschmolzen wie seit Beginn seiner Messungen nicht. Vermutlich habe es seit vielen Tausend Jahren nicht mehr diesen Zustand gegeben.
Der Forscher rechnet mit weiteren Felsstürzen an der Zugspitze und in anderen Gebirgen. Die Durchschnittstemperaturen seien in den Alpen seit 1880 um drei Grad Celsius gestiegen. Unter diesen Bedingungen könne er im Stollen vielleicht noch zehn Jahre zum Permafrost forschen. Bis unter den Gipfel könne es möglicherweise noch 30 Jahre Eis im Gestein geben. Auch in den Schuttmassen des Zugspitzplatts schmelze Eis.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Umweltminister Thorsten Glauber ließen sich an der Zugspitze über das Verschwinden des Permafrosts und die Folgen der Erwärmung informieren. Söder sagte, die Alpen und die Küste seien die klimasensibelsten Regionen Deutschlands. Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels lasse sich auf Ebene des Freistaats leichter beeinflussen als die Erderwärmung.
Auch die Gletscher der Zugspitze schrumpfen. Der Südliche Schneeferner liegt als Toteisrest etwa 70 Meter tief unter einem früheren Zugang zur Skipiste. Damit verliere Deutschland seine letzten Gletscher, was Folgen für den Wasserhaushalt in den Tälern habe, sagte Glauber.
In der Höllentalklamm und der Partnachklamm bei Grainau und Garmisch-Partenkirchen erfassen Krautblatter und seine Kollegen seit 2016 mit Laserscannern Bewegungen im Fels. Nun wollen sie auch die mehrere Quadratkilometer große Nordseite der Zugspitze aus rund vier Kilometern Entfernung überwachen. Die daraus entwickelten Methoden könnten dazu beitragen, Felsstürze und Murenabgänge in anderen Gebirgsregionen vorherzusagen.
Frühwarnsysteme würden in den kommenden Jahren wichtiger, sagte Krautblatter.
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