Ryanair-Chef Michael O'Leary hat vor dem größten Anstieg der Flugpreise gewarnt, den es in Europa je gegeben habe. Wie POLITICO berichtete, könnten hohe Kerosinpreise im kommenden Jahr dazu führen. O'Leary äußerte sich in einem Interview mit POLITICO vor einer Pressekonferenz in Brüssel.
Bleiben die Kerosinpreise doppelt so hoch wie vor dem Krieg der USA gegen den Iran, könnten die Ticketpreise laut O'Leary um bis zu 20 Prozent steigen. Seit Beginn des Krieges im Nahen Osten haben sich die Kerosinpreise mehr als verdoppelt, weil die Schifffahrt durch die Straße von Hormus gestört ist.
Sicherungsgeschäfte, sogenannte Hedging-Verträge, haben bislang einen großen Teil des Treibstoffverbrauchs der Airlines zu festen Preisen gesichert. Dadurch konnten europäische Fluggesellschaften starke Ticketpreissprünge bislang vermeiden. O'Leary zufolge verfügen die meisten europäischen Airlines für das kommende Jahr jedoch kaum über nennenswerte Absicherungen. Ryanair sei nur zu 15 Prozent zu 85 Dollar pro Barrel abgesichert und ab dem Sommer 2027 ganz ungesichert.
Die Hedging-Verträge von Ryanair laufen im April 2027 aus. Das Unternehmen werde auch dann noch profitabel sein, wenn auch weniger als derzeit, sofern die Ölpreise hoch bleiben, sagte O'Leary. Er warnte, weniger verfügbare Sitzplätze und höhere Preise könnten zur neuen Normalität werden, da immer mehr Airlines finanziell unter Druck geraten.
Ryanair streicht diesen Winter 20 Routen ab Belgien als Reaktion auf die gestiegenen nationalen Luftverkehrsteuern. Die Abgabe steigt laut Bericht von zwei Euro im Jahr 2025 auf sieben Euro ab Januar.
Die hohen Kerosinpreise verstärken zudem den Widerstand der Luftfahrtbranche gegen die Klimapolitik der EU. Viele Airlines sehen darin eine zusätzliche Belastung ihrer ohnehin steigenden Betriebskosten. Ryanair setzt sich seit Langem dafür ein, den EU-Emissionshandel (ETS) auf alle Flüge von und in die EU auszuweiten. Diese Forderung bekräftigte O'Leary erneut.
O'Leary kritisierte, es sei unhaltbar, dass die Bürger Europas alle diese Umweltabgaben zahlen müssten, während Fluggesellschaften aus den USA, Asien und China beim Starten und Landen in Europa davon vollständig befreit seien. Ryanair werde im Jahr 2026 ETS-Kosten von 1,5 Milliarden Euro zahlen, sagte er.
Er forderte außerdem, der ETS solle auch die Langstreckenflüge europäischer Konkurrenten wie Lufthansa und Air France-KLM erfassen. Diese Flüge seien die teuersten der Welt und zugleich die profitabelsten der Airlines, weil sie von der europäischen Umweltbesteuerung ausgenommen seien.
Derzeit wendet die EU den ETS auf Flugemissionen innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums sowie auf Flüge in die Schweiz und ins Vereinigte Königreich an. Die EU-Kommission hat im vergangenen Sommer vorgeschlagen, ab 2029 eine CO2-Bepreisung auch auf Flüge von der EU zu Zielen innerhalb von 5.000 Kilometern um den Frankfurter Flughafen auszuweiten. Dazu gehörten Nordafrika und der Nahe Osten.
Der Vorschlag würde Ryanair-Flüge etwa nach Marokko treffen. Die meisten Langstreckenverbindungen anderer Airlines zu weiter entfernten Zielen wie den USA und China blieben dagegen weiterhin ausgenommen.
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