Einige Unternehmen meiden den Standort ganz, andere halbieren ihre geplanten Investitionen. Ein Beispiel ist der Pharmakonzern Eli Lilly im rheinland-pfälzischen Alzey, wo ein riesiges Werk entsteht.
Bürgermeister Steffen Jung sagte, er sei vom Kürzungsplan ebenfalls überrascht worden. Mehr als zweieinhalb Jahre habe sich die Stadt auf die Megainvestition eingestellt und neue Straßen, Wohnungen und Kitas geplant. Die Ansiedlung bleibe dennoch eine herausragende für Alzey und die gesamte Region. Die massive Kürzung sieht Jung als Grundsatzproblem, das weit über Alzey hinausgehe. Die Entscheidung von Lilly Deutschland sei ein Weckruf an die Bundesregierung und ein Warnsignal. Diese müsse nun mit Unternehmen ins Gespräch kommen, um Deutschland für Ansiedlungen wieder attraktiv zu machen.
Alzey ist nach dem Bericht kein Einzelfall.
Das Unternehmen mit 270 Mitarbeitenden fertigt Spezialanlagen für Kunden aus der Automobil-, Lebensmittel- und Baubranche. Geschäftsführer Tobias Doll sagte, die aktuelle Lage sei herausfordernd und das Unternehmen gebe alles, um den Umsatz stabil zu halten. Der Bedarf der Kunden sei groß, doch unter den aktuellen Rahmenbedingungen investierten sie nicht, weil sich das Vorhaben am Ende nicht rechne. Doll erklärte, man werde dort investieren, wenn sich die Rahmenbedingungen änderten und sich planbarer rechnen lasse.
Mehrere aktuelle Studien belegen laut Bericht, dass internationale Investoren einen großen Bogen um Deutschland machen. Im Rest der Eurozone legten die Investitionen um 6,7 Prozent zu, in den USA um 20,2 Prozent.
Wirtschaftsexperte Daniel Stelter zieht eine düstere Bilanz. Seit über 20 Jahren seien die Unternehmen in Deutschland Nettosparer und investierten weniger als ihre Gewinne. Er spricht von einem dramatischen Misstrauensvotum für den Standort, oder, wie er es nennen würde, von einem Investitionsstreik. Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey, auf die sich Stelter bezieht, ergab, dass die Nettoinvestitionen in Deutschland auf null Prozent des Bruttoinlandsprodukts gefallen sind. Damit werde es weniger Produktivitätsfortschritt geben, den man angesichts demografischer Entwicklung und Verteilungskonflikten dringend brauche.
Verbessern sich die allgemeinen Rahmenbedingungen, könne das Werk hochgefahren und die Arbeitsplätze in voller Zahl geschaffen werden.
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