Tourismusbetriebe in Österreich wissen derzeit nicht, ob sie heuer wieder Saisoniers aus dem Ausland beschäftigen dürfen. Wie die Salzburger Nachrichten berichten, fehlt die dafür jährlich notwendige Verordnung des Sozialministeriums bislang. Laut WKÖ-Tourismussprecherin Susanne Kraus-Winkler sei die Dotierung des Insolvenzentgeltfonds überraschend politisch mit dem Saisonkontingent verknüpft worden. Die Zeit drängt, weil auch Arbeitsbewilligungen und Visa einen Vorlauf benötigen.
Im Regierungsprogramm sei ein jährliches Grundkontingent von 5.500 Saisoniers vorgesehen, dazu ein Westbalkankontingent mit 2.500 Plätzen. Die rund 2.300 Stammsaisoniers seien davon nicht betroffen, weil sie nicht Teil des Kontingents seien.
Damit sei die Schwelle von 75 Prozent für eine automatische Verlängerung unterschritten worden. Ohne diese Grundlage dürften weder Beschäftigungsbewilligungen noch Visa erteilt werden.
Die Gespräche mit dem Sozialministerium seien im September aufgenommen worden.
Kraus-Winkler, frühere Tourismus-Staatssekretärin, kritisierte, man befinde sich nun Ende Oktober, und es gebe ein Junktim mit der Hauptforderung nach dem Insolvenzentgeltfonds. Dieser solle aus einer Erhöhung der Lohnnebenkosten gespeist werden, was alle Betriebe belasten würde. Es sei sehr verantwortungslos, die Branche in Geiselhaft zu nehmen, beklagte sie.
Sie entlasteten die Stammbelegschaft.
Den Vorwurf der Gewerkschaft, Saisoniers gefährdeten als Billigarbeitskräfte Jobs für Inländer, weist Kraus-Winkler entschieden zurück. Ohne Kollektivvertrag könne ohnehin niemand angestellt werden.
Im Interesse des Standortes sei es dringend geboten, das Kontingent für 2027 umgehend zu erlassen.
Langfristig wünscht sie sich eine deutlich unbürokratischere Regelung, die allein auf einer Bedarfsprüfung beruht und ohne Kontingente auskommt. Ein solches Modell gebe es etwa in den Niederlanden.
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