Der Ölpreis für Brent hat am Donnerstag den höchsten Stand seit dem 18. Mai erreicht. Wie die Hindustan Times unter Berufung auf Reuters berichtete, stiegen die Terminkontrakte bis 0818 GMT um 3,35 Dollar, also 3,08 Prozent, auf 112,17 Dollar je Barrel. Zwischenzeitlich hatte der Preis 112,55 Dollar erreicht.
Am Mittwoch wurde bei einem Angriff auf einen zivilen Flughafen in Dammam nach Angaben von Reuters mindestens eine Person getötet, acht weitere wurden verletzt. Bei einem Drohnenangriff auf ein saudisches Ölfeld kamen zwei Menschen ums Leben.
Marktbeobachter befürchten, dass sich der Konflikt im Nahen Osten ausweitet und die Öllieferungen aus einer der wichtigsten Exportregionen der Welt stören könnte. Der Analyst Tamas Varga von PVM Oil sagte, die Bemühungen, die Spannungen in der Ukraine und im Nahen Osten zu verringern, seien nicht überzeugend genug, um die Märkte zu beruhigen. Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus sowie Attacken auf Saudi-Arabien und seine Ölinfrastruktur schürten Sorgen um die Versorgung, obwohl Berichte meldeten, dass die Rohölexporte des Nahen Ostens wieder über dem Niveau von vor dem Konflikt lägen. Varga erwarte nicht, dass sich die Konflikte vor den US-Zwischenwahlen entspannen. Dies könne die Ölpreise in den kommenden Wochen hoch halten.
Trotz der Sicherheitsbedenken blieben die Rohölexporte des Nahen Ostens hoch. Morgan Stanley schätzte, dass die Ausfuhren aus der Region in der vergangenen Woche bei etwa 17 Millionen Barrel pro Tag lagen. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte ebenfalls zu, um 2,68 Dollar beziehungsweise 2,76 Prozent auf 99,83 Dollar je Barrel.
Auch die USA haben Schritte zum Schutz ihres diplomatischen Personals in der Region unternommen. Das US-Außenministerium ordnete an, einige Diplomaten und deren Familienangehörige aus amerikanischen Vertretungen in Saudi-Arabien abzuziehen. Zudem plant Washington, Familienangehörige aus mehreren weiteren US-Auslandsvertretungen im Nahen Osten abzuziehen, wie US-Beamte gegenüber Reuters sagten.
Die Revolutionsgarden des Iran (IRGC) erklärten am Donnerstag, ihre Marine habe vier Schiffe verfolgt, die an als illegal bezeichneten Ölumladungen im nördlichen Golf beteiligt gewesen seien. Alle vier Schiffe seien am Mittwoch gleichzeitig getroffen worden und in Brand geraten. Drei weitere Schiffe seien westlich der Straße von Hormus auf Minen gefahren. Die IRGC-Marine warnte das US-Militär, weitere Provokationen könnten zu einer breiteren Reaktion gegen amerikanische Militärstützpunkte in der Region führen. Am Mittwoch waren nach Berichten iranischer Medien zudem Explosionen in Sirik im Süden des Iran zu hören.
Auch in Libyen gibt es weiterhin Störungen. Ein Ventil an einer Pipeline, die die Ölfelder Hamada und Tahara mit dem Hafen Zawiya verbindet, wurde geschlossen. Dadurch sinkt die Förderung in beiden Ölfeldern, wie der Chef der staatlichen National Oil Corporation Libyens Reuters mitteilte.
Die US-Regierung unter Trump bietet an, fast ein Drittel der Notfallreserve des Landes an Heizöl zu verleihen. Die Reserve umfasst eine Million Barrel. Damit will Washington Preise dämpfen, die wegen Dieselknappheit gestiegen sind. Die Dieselknappheit steht nach Angaben von Reuters im Zusammenhang mit dem US-israelischen Krieg mit dem Iran und dem andauernden Krieg zwischen Russland und der Ukraine.
Am Mittwoch traf der russische Präsident Wladimir Putin in St. Petersburg den US-Sondergesandten Steve Witkoff. Im Mittelpunkt stand das Bemühen, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Der Kreml teilte mit, Putin habe zugesagt, die von den USA vermittelten Friedensgespräche mit der Ukraine möglichst schon im nächsten Monat wieder aufzunehmen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj unterstützte die Gespräche und hoffe, dass sie so bald wie möglich beginnen, berichtete Reuters.
Die Unsicherheit über die Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine belastet den Ölmarkt weiter. Neue Angriffe, Bedrohungen der Schifffahrtswege und Produktionsausfälle haben die Zweifel an der Verlässlichkeit der globalen Rohölversorgung verstärkt. Händler beobachten nach Angaben von Reuters die Entwicklungen in Saudi-Arabien, dem Iran, der Straße von Hormus und der Ukraine genau, da eine weitere Eskalation die Preise weiter nach oben treiben könnte.
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