Die Süddeutsche Zeitung berichtete, dass das KI-Unternehmen Anthropic seinen Börsenprospekt veröffentlicht hat. Das Dokument zeigt zugleich, wie Gründer Dario Amodei und seine Mitgründer denken und wie sie das Unternehmen nach ihren Vorstellungen geformt haben. Der Prospekt wurde zu Wochenbeginn veröffentlicht.
Der Börsengang dürfte nun nur noch wenige Wochen entfernt sein. Anthropic ist nach Angaben der Zeitung der erste Entwickler sogenannter Frontier-Modelle, also besonders fortschrittlicher und leistungsstarker künstlicher Intelligenz, der an die Börse geht. Das Marktdebüt wird als Testfall für die gesamte KI-Branche gesehen. Diese lassen sich von dem KI-Modell Claude unter anderem beim Programmieren helfen. Zum Wachstum tragen teilweise mehrjährige Verträge mit Kunden bei.
Gewinne erwirtschaftet das Start-up bislang nicht. Von Anfang Januar bis Ende Juni fiel ein operativer Verlust von fast 700 Millionen Dollar an. Im Verhältnis zum Umsatz sind die Verluste seit 2023 jedes Jahr kleiner geworden. Die Rechenzentren betreibt das Unternehmen nicht selbst, das übernehmen die großen Akteure der Techbranche.
Der Prospekt nennt auch langfristige Verpflichtungen gegenüber diesen Anbietern. Das ist besonders bemerkenswert, weil Amazon zu den größten Investoren von Anthropic gehört. Solche Verflechtungen seien nicht unproblematisch, weil sich die Unternehmen gegenseitig abhängig machen. Im Fall von Google stehen die Firmen zugleich in Konkurrenz zueinander.
Neben den Zahlen liefern Unternehmen ihren künftigen Investoren üblicherweise eine Erzählung, warum sich der Kauf ihrer Aktien lohnt. Anthropic tritt in seiner Börsenerzählung deutlich zurückhaltender auf. Den Investoren stellt das Unternehmen in Aussicht, Teil von etwas Größerem zu werden, und kündigt an, künstliche Intelligenz werde eine Zeit großer Errungenschaften einleiten. Man wolle lieber weniger versprechen und mehr liefern. Dass dies tatsächlich geschieht, soll ein Gremium namens „Long-Term Benefit Trust“ überwachen. Es arbeitet ohne finanzielle Interessen an Anthropic. Zu seinen Mitgliedern gehören derzeit der frühere US-Notenbankchef Ben Bernanke sowie ein Mediziner und ein Physiker. Das Gremium kann unter anderem den Verwaltungsrat abberufen.
Auch nach dem Börsengang wollen sie 50,1 Prozent der Stimmrechte behalten und könnten die Aktionäre damit jederzeit überstimmen. Die Zeitung ordnet dies als Fortsetzung einer Tradition in der Techbranche ein. Musk hält bei Space-X 82 Prozent der Stimmrechte, bei Meta gilt Ähnliches für Mark Zuckerberg.
Für ein gewinnorientiertes Unternehmen sei das sehr ungewöhnlich.
Den Ausgabepreis für die Aktien hat Anthropic noch nicht festgelegt. Zwischenzeitlich war spekuliert worden, Anthropic könne der größte Börsengang aller Zeiten werden. Diesen Rekord hält derzeit Space-X. Die Bewertung von Anthropic könnte am Ende womöglich um die 1,5 Billionen Dollar liegen und würde damit den Rekord verfehlen.
Amodei hat selbst eindringlich davor gewarnt und Sicherheitsvorfälle bei Anthropic öffentlich gemacht. Im Prospekt nennt das Unternehmen Haftungsrisiken und mögliche Klagen.
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