Neue Kernkraftwerke könnten die Schweiz unabhängiger von Stromimporten machen, vor allem im Winter. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-Swiss), wie der Tages-Anzeiger berichtet. Am Dienstag legte die Stiftung ihre Analyse vor, die nennt, unter welchen Bedingungen neue Nukleartechnologien zur Schweizer Energieversorgung beitragen könnten.
Nach Angaben der Studie müssten dafür mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Sie könnten diesen Ausbau allenfalls ergänzen.
Frühestens Anfang der 2050er-Jahre könnte ein Neubau Strom liefern. Zwischen dem Grundsatzentscheid und der Inbetriebnahme vergingen rund 20 Jahre, wobei die reine Bauzeit mindestens acht bis zehn Jahre beträgt. Den Ausbau von Solar- und Windkraft dürfe man deshalb keinesfalls bremsen, so die Studie. Vor allem der Schweizer Abstimmungsprozess verzögere das Vorhaben: Bis zum Netzanschluss wären mindestens drei separate Volksentscheide nötig.
Als wichtigste Brücke empfehle die Studie, die bestehenden Kernkraftwerke Gösgen und Leibstadt möglichst bis zu 70 Jahre lang zu betreiben. Neue Reaktoren könnten die Winterstromlücke nach Einschätzung der Studie deutlich verkleinern und zugleich Treibhausgase reduzieren. Ein Neubau wäre allerdings teuer und ohne staatliche Hilfe kaum finanzierbar.
Die Studie betont jedoch, dass Atomkraft die Schweizer Wirtschaft weder im Alleingang rette noch völlig unbedeutend sei. Die Industriestrompreise könnten dank neuer AKW um rund drei Prozent sinken, und das Bruttoinlandsprodukt dürfte leicht steigen. Zudem sei das aktuelle Schweizer Kernenergierecht primär auf klassische Grossreaktoren zugeschnitten. Für kleine modulare Reaktoren (SMR) müssten erst gesetzliche Grundlagen für Typenbewilligungen geschaffen werden.
Der Wirtschaftsverband Economiesuisse fordert, neue Kernkraft als festen Bestandteil einer kohärenten Gesamtstrategie einzuplanen. So ließen sich teure Stromimporte im Winter und Versorgungslücken vermeiden. Bislang erhielten nur die Erneuerbaren diese Unterstützung.
Laut SES sei das Klimaziel Netto-Null auch ohne neue Reaktoren erreichbar, so die Modellrechnungen. Nach Ansicht der Organisation kämen neue Anlagen ohnehin zu spät und seien zu kostspielig.
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